5 Argumente gegen Smartwatches und warum sie so nicht stimmen

Spätestens seit der Ankündigung der Apple Watch im Herbst 2014 sind Smartwatches in aller Munde.
Aber werden sie sich auch durchsetzen? Ich meine ja, aber viele Leute sind skeptisch.
Deshalb habe ich hier einmal 5 der häufigsten Argumente gegen Smartwatches zusammengetragen und zeige warum sie zumindest so nicht ganz stimmen …

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Früh übt sich … die erste Smartwatch der Geschichte trug der Comic-Held Dick Tracy bereits 1946
Foto Credit: Technology Notes

Argument Nr.1: „Eine Uhr sollte vor allem die Uhrzeit anzeigen“

Und ein Handy braucht man vor allen Dingen zum Telefonieren?
Ok, manche Leute behaupten immer noch ja. Tatsächlich aber geht der Telefonieranteil bei der Nutzung von Mobiltelefonen immer weiter zurück.
Und das hat einen einfachen Grund:
Smartphones sind im Grunde keine Telefone, sondern Taschencomputer mit Telefonfunktion. Es war schlicht nur einfacher sie unter einer bekannten Gerätekategorie zu vermarkten.
Und das gleiche gilt für Smartwatches. Sie sind eigentlich keine Uhren sondern einfach kleine Armbandcomputer mit Zeitanzeige. Und warum sollte man ein Gerät nur für einen Zweck nutzen, wenn es eigentlich auch mehr kann?

Argument Nr.2: „Ich trage keine Uhr“

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Mein Handy, meine Taschenuhr …
Foto Credit: Wikipedia

Es stimmt, als in den Nullerjahren immer mehr Leute Mobiltelefone besaßen, ging die Zahl der Uhrenträger in meinem Bekanntenkreis merklich zurück. Die Zeit anzeigen konnte ja jetzt auch das Handy. Und für diese eine kleine Funktion wollte man nicht extra noch ein Gerät mit sich herumschleppen.
Wirklich praktisch war es allerdings nie immer in die Tasche greifen zu müssen, um auf die Uhr zu schauen. Eine Taschenuhr trägt ja heutzutage schließlich auch (fast) niemand mehr.
Das heißt ein Gerät am Arm hat grundsätzlich Potential. Und wenn die Uhr plötzlich wieder mehr kann als nur die Zeit anzeigen, wird sie wieder interessant.
Das gilt vor allem für kleine Aktionen:
Wie oft warten wir nur noch auf einen kurzen Bescheid, dass unsere Kinoverabredung klappt oder wollen andererseits nur kurz Bescheid geben, dass wir uns etwas verspäten.
Für solche Aktionen sind Smartwatches ideal: Ein kurzer Blick auf die Uhr und wir sind informiert. Oder ein kurzer gesprochener Satz in unser Handgelenk und der andere weiß Bescheid.
Aber auch für andere Kurzinformationen wie Nachrichtenticker, Fußballergebnisse, Tankfüllungen, Kontostandsanzeigen, Wetter und Benachrichtigungen aller Art eignen sie sich hervorragend.
Sehr praktisch sind sie außerdem auch in sehr mobilen Szenarios wie beispielsweise zur Navigation, für Tickets oder zur mobilen Bezahlung.
Zum Tracken von Körperdaten zur Unterstützung von Fitness und Gesundheit sind sie außerdem geradezu prädestiniert, schließlich tragen wir sie direkt am Körper.
Und im Notfall kann man sie auch besonders schnell erreichen, um z.B. einen Notruf abzugeben.

Argument Nr.3: „Smartwatches sind zu teuer“

Ein aktuelles iPhone 6 gibt es zur Zeit ab 700 Euro. Ein einfaches Markenhandy ab 10 Euro. Selbst wenn man behauptet, man bekäme ab 5 Euro schon eine vernünftige Uhr, wäre die einfachste Apple Watch mit 350 Euro nur um das exakt gleiche Vielfache teurer.
Natürlich ist auch das für die meisten Leute viel Geld aber eine wirklich besondere „normale“ Uhr kostet auch schnell so viel. Für ein hochwertiges Produkt werden die Leute bereit sein einen solchen Preis zu bezahlen. Und für mein Gefühl stimmt der Preis genau, um die typische Apple Wertigkeit zu erzeugen.
Und andere Zielgruppen werden mit günstigeren Anbietern wie Sony oder Pebble abgedeckt.

Argument Nr.4 „Das Display ist zu klein und die Eingabe ist zu schwierig“

Zugegeben, längere Texte lesen oder komplexere Layouts betrachten möchte ich auf einer Smartwatch auch nicht. Und Texte mittels einer winzigen Tastatur eingeben will ich erst recht nicht. Um aber eine kurze Nachricht zu empfangen, einen QR Code oder das Wetter für den Tag anzuzeigen sind sie völlig ausreichend.
Apple hat sich für seine Smartwatch außerdem noch ein paar spezielle Features zur Steuerung ausgedacht: Um auch mit einem Finger noch mehr Aktionsmöglichkeiten zu haben, unterscheidet Apple zwischen normalem und kräftigem Druck auf das Display. Dadurch können einem Fingerdruck doppelt so viele Funktionen zugewiesen werden.
Da es allerdings schwierig ist das kleine Display zu lesen während man den Finger darüber hält, führt Apple das gute alte Rädchen wie man früher zum aufziehen mechanischer Uhren kannte wieder ein. Nur dass man hier damit nun bequem digital scrollen und Werte einstellen kann. Und zur Eingabe von Texten ist bei den meisten Smartwatches ausschließlich die Sprachfunktion vorgesehen.

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Spracheingabe bei der Samsung Gear Watch
Foto Credit: The Next Web

Argument Nr. 5:  „Uhren sind Statussymbole und Fashion-Statements“

Das stimmt, und bisher wirken viele Smartwatches noch etwas nerdig.
Aber Motorola und LG haben bereits recht ansehnliche Modelle auf den Markt gebracht.
Und Apple geht sogar noch ein paar Schritte weiter. Die Uhr ist in über 30 verschiedenen Varianten und 2 Größen erhältlich. Und nun soll es sogar Edelstahl-Varianten für über 5000 $ geben, um auch das Luxus Segment abzudecken. Vermutlich einer der Gründe warum Apple führende Mitarbeiter von Luxusmarken wie TAG Heuer, YSL, Burberry und Louis Vuitton eingestellt hat.
Generell aber eignen sich Smartwatches besonders gut zum persönlichen Ausdruck, weil sie ganz besonders individuell gestaltet werden können.
Der Bildschirmhintergrund und die Art der Anzeige können vielseitig angepasst werden und möglicherweise sogar auf verschiedene Situationen wie z.B. Bewegung reagieren. Entsprechend ausgestattete Armbänder könnten dies sogar noch erweitern. (z.B. indem sie auf das Display reagieren und entsprechend ihre Farben wechseln)

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Noch vor ihrer offiziellen Markteinführung hat es die Apple Watch auf das Cover der chinesischen Vogue geschafft
Foto Credit: The Next Web

Fazit:

Die am Markt existierenden Smartwatches sind tatsächlich noch nicht ganz ausgereift.
Möglicherweise ist es aber wieder Apple, die ein eigentlich bereits bekanntes Produkt massentauglich machen.
Wenn es den Herstellern gelingt, gezielt auf die Bedürfnisse der Nutzer bezüglich einer solchen neuen Produktkategorie einzugehen, ist das Potential riesig.
Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn schon in wenigen Jahren jede zweite neu verkaufte Uhr eine Smartwatch ist.