Das UX Camp Europe ist eine Konferenz der ganz besonderen Art

Back to overview

Das UX Camp hat seinen ganz eigenen Charme. Mit nur 500 Teilnehmern fühlt es sich sehr familiär und persönlich an. Am Samstag um 9:00h haben wir (Laura, Maria, Daniel, Silvia und Markus, alle UX Design bei Sevenval) uns vor Ort im schön renovierten Backsteingebäude der HU in Adlershof getroffen und wurden begrüßt mit einem Frühstückbuffet, das keine Wünsche offen lässt. Es gab keine langen Schlangen bei der Registrierung. Niemand musste sich zeitaufwendig ausweisen. Man hat nur seinen Vornamen genannt und das Namensschild direkt bekommen. Dieses entgegengebrachte Vertrauen, ist mir von Anfang an sehr positiv aufgefallen.

Um 10:00h haben sich alle zum Session Planning im großen hellen Hörsaal des Gebäudes eingefunden. Es gab vorab keine feste Agenda. Jeder Teilnehmer war dazu angehalten eine Session vor Ort zu halten und die Konferenz so mitzugestalten:

 

„When you come, be prepared to share with barcampers.
When you leave, be prepared to share it with the world.
NO SPECTATORS, ONLY PARTICIPANTS“
(from uxcampeurope.org/about-the-camp/)

 

Welche Session welchem Raum zugeteilt wurde, hing von der Anzahl der Interessenten aus dem Publikum ab. Dazu pitchten alle innerhalb von 30 Sekunden das Thema ihrer Sessions. Im Anschluss an den Pitch wurde kurz gefragt, „who is interested?“ und alle Interessierten hoben die Hand. Nutzerzentrierter könnte so eine Agendaplanung kaum ablaufen. Das Tolle daran war, dass man beim Pitch gleich ein Gefühl für die Persönlichkeit des Redners bekommen hat. Der Redner bekommt ebenfalls ein Gefühl für die Stimmung des Publikums. Für mich sinkt und steigt die Qualität einer Session mit der Sympathie und dem Charisma des Vortragenden.

Um 11:00h ging es dann direkt los mit den Sessions. Insgesamt gab es über die beiden Tage verteilt 80 Sessions in 10 verschiedenen Räumen, zwischen 11:00h und 17:00h. Die Konferenz wurde auf Englisch gehalten, denn circa die Hälfte der Teilnehmer war aus verschiedenen Ländern Europas angereist. Und die Themenvielfalt war groß, was auch die Vielfältigkeit von User Experience als Disziplin widerspiegelte, in der viele Anwendungsbereiche eine Rolle spielen. Von eher technischen Vorträgen (AI for UX, Living Data) über Sessions mit psychologischem Fokus (Decision Making, Empathy Mapping) hin zur Designperspektive (Live Sketching Tips, Pattern Mamas) war alles dabei. Alles lief auffällig entspannt ab.

Maria und ich wollten einen Erfahrungsaustausch zum Thema “Is Scrum a fit for UX design?“ anregen. Wir hatten in der Vorbereitung unseres Vortrags die Meinungen von 14 Kollegen eingeholt, darunter sowohl Projekt Manager, Entwickler, als auch UX Designer. Die Einstellungen gegenüber Scrum waren gemischt. Drei Entwickler stimmten eindeutig für Scrum, drei UX Designer dagegen und die anderen acht Kollegen sagten, es komme stark auf das Projekt-Setup, den Kunden und das Team an, ob Scrum eine geeignete Arbeitsweise biete. Für uns als UX Designer war klar, Scrum schränkt unsere Arbeitsweise tendenziell eher ein. Dazu kommt, dass zum Zeitpunkt, wenn die Sprints losgehen, im Idealfall 90% unserer Arbeit getan sein sollten, dazu gehören sowohl Konzeption, als auch das visuelle Design. Innerhalb des Sprints finden lediglich UX Reviews und Designanpassungen statt. Auch liegt das Schreiben von User Stories nicht bei uns, sondern auf der Seite des Kunden. Scrum ist eine Methode, die viele Vorteile in der Software-Entwicklung bringt, aber zu unserer Arbeit als UX Designer eher weniger passt.

Nun wollten wir beim UX Camp abfragen, welche Erfahrungen andere UX Designer mit dem Thema Scrum gemacht haben und uns dazu ein Bild von der Meinung im Publikum machen. Besonders schön waren die Charaktere, die dabei genannt wurden, um „Scrum as a person“ zu beschreiben. Folgende Antworten bekamen wir aus dem Publikum: „Scrum is the guy that comes to your birthday party without being invited and asks whose birthday it is“ oder auch: “Someone who pretends to have a plan, but changes his mind every two weeks.” Hier zeigte sich sehr schnell, dass Scrum in personifizierter Form aus der UX-Perspektive des Publikums mehrheitlich eher negativ und unsympathisch wahrgenommen wurde.

Nach unserer Session kamen ein paar Teilnehmer zu uns und haben sich bedankt für unseren Vortrag. Einer sagte, er hat sich gefreut, dass endlich mal jemand klar sagt, Scrum ist nichts für uns UX Designer – das traue sich sonst keiner. Ein Anderer meinte, er hat inhaltlich zwar nichts Neues gelernt, aber konnte trotzdem viel mitnehmen und hat sich gut unterhalten gefühlt. Das war schön zu hören, denn eine gute Mischung aus Inhalt und Unterhaltung wollten wir erreichen.

Silvia und Markus haben in ihrer Session komplexe Workflows in einer Legomännchen-Welt vereinfacht dargestellt. Der Titel des Vortrags lautete, “Legobricks and Workflows: How to improve your workflows in pattern library setups”. Am Ende wollten die Rückfragen des Publikums gar nicht aufhören. Mit unseren optimierten Workflows scheinen wir wichtigen Input für andere UX Designer zu liefern, denn Pattern Libraries können viele Probleme lösen, aber nur, wenn es einen klaren Prozess in der Umsetzung gibt. Manche waren sich nicht sicher, wer welche Rolle in dem Prozess einer Pattern-Library-Erstellung einnimmt. Auch hier war das Schöne, dass das Thema am Ende einen regen Erfahrungsaustausch entfacht hat und man sich gegenseitig Probleme geschildert und Ratschläge gegeben hat. Wegen des guten Feedbacks nach unseren Sessions, sind wir motiviert unsere Themen nun auch auf Meetup Veranstaltungen zu präsentieren und unsere Insights mit anderen zu teilen. Vielleicht organisieren wir auch mal ein Meetup bei Sevenval.

Ein Thema kam immer wieder auf: die Rolle von UX in Teams. Maria meinte, dass sich die Themen früher mehr um die neuesten Tools und Prozesse für UX Designer gedreht haben. Man merkt, dass sich UX inzwischen etabliert hat und einen wichtigen Platz am Tisch einnimmt. Viele stellen sich daher nun die Frage, ob die Arbeitsweise sinnvoll gestaltet ist. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich diese Themenschwerpunkte in der Zukunft entwickeln werden.

Für mich war es das erste UX Camp. Die Organisatoren haben das Camp aber schon zum neunten Mal, neben ihren Full-Time Jobs, auf die Beine gestellt. Hut ab! Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei Henning, Luzi, Tom, Clive, Debbie, Marie, Ludwig, Stefan, Dhyana und den Volunteers bedanken. Ihr habt einen einzigartigen Job gemacht! Danke UX Camp 2017! Und danke an Markus und Silvia, die unsere Teilnahme organisiert haben.

Vera Fuest (UX Designer @ Sevenval)

 

 

Unsere Vorträge zum Download:
“Is scrum a fit for UX design?”
“Lego bricks and workflows”

Best of der Vorträge:
Eric Reiss – Beyond Bullshit
Jan Korsanke – UX for AI
Sjors Timmer – A room for understanding
Rupert Platz – Hyper! Hyper!!

Weitere Vorträge finden sich hier. Eindrücke vom Camp gibts hier im Video.

 

Back to overview