Krankenkassen: Die neuen Gatekeeper im digitalen Gesundheitswesen

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Mit der Digitalisierung steigt die Bedeutung der Krankenkassen. Denn sie haben den direkten Zugang zum Patienten. Was die Kassen damit machen und wie ihre Mitglieder davon profitieren, erklärt Sascha Langfus.

Krankenkassen und ihre Mitglieder haben ein gemeinsames Ziel: die Gesunderhaltung. Klar, denn der gesunde “Patient” zahlt Beiträge, ohne dass Ausgaben anfallen. Das Vergütungssystem im Gesundheitswesen steht zu diesem Ziel in krassem Widerspruch. Denn Prämien für möglichst gesunde Patienten erhalten die Kassen nicht, vielmehr werden Ärzte, Apotheker und Pharmaunternehmen für die Therapie von Krankheiten vergütet.

Dieser systemische Gegensatz ist relevant, das wird besonders deutlich bei einem Blick auf die Kosten chronischer Erkrankungen:

  • Zehn Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung fließen in die Therapie von Menschen mit Typ-2-Diabetes.
  • Beinahe jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet regelmäßig an Rückenschmerzen, die Behandlungskosten verursachen.

Prävention ist deshalb ein wichtiges Thema für die Kassen, denn präventive Maßnahmen sind kostengünstiger als langfristige Therapien. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und im Sozialgesetzbuch V eine entsprechende Verpflichtung verankert.

Prävention im digitalen Zeitalter

Vom betrieblichen Gesundheitsmanagement bis zu ganz individuellen Maßnahmen, etwa Sport, können sehr viele Maßnahmen in den Bereich der Prävention fallen. Vor allem für die individualisierten Leistungen ist die Digitalisierung ein Segen für die Kassen, denn mit digitalen Prozessen und Methoden lassen sich massiv Kosten einsparen.

Die Zauberformel dafür heißt “Patienten-Empowerment”: Für die Krankenkassen bedeutet das, die Eigenverantwortlichkeit und das Engagement ihrer Mitglieder zu stärken und Aufklärung zu betreiben. So sollen die eigenen Maßnahmen zur Gesunderhaltung und – bei Erkrankten – die Therapietreue erhöht werden. Die digitale Welt bietet die richtigen Werkzeuge für diese Strategie, etwa Apps und Online-Angebote, die sich gezielt an bestimmte Patientengruppen richtet. Die Möglichkeiten sind vielfältig und es kommen immer mehr hinzu. Eine gute Übersicht bietet der “TrendGuide Gesundheits-IT 2018” (PDF).

Es ist für Patienten eine echte Herausforderung, in der großen Masse der Angebote diejenigen zu identifizieren, die qualitativ hochwertig sind und ihnen einen echten Vorteil bringen. Hier kommen die Krankenkassen als Gatekeeper ins Spiel: Sie können ihren Mitgliedern individuell die passenden Programme empfehlen und deren nachweisliche Nutzung zur Prävention mit Prämien fördern. Eine Kasse, die so vorgeht, schärft ihr Profil und erhöht im Optimalfall den Anteil Gesunder unter ihren Mitgliedern. Gleichzeitig könnten Krankenkassen sich so zu den wichtigsten Acceleratoren im Gesundheitswesen entwickeln – wenn endlich geklärt ist, inwieweit solche Programme erstattungsfähig sind und wie die Überführung in die Regelversorgung funktionieren kann.

Mehr Partnerschaftlichkeit im Pharmaumfeld

Auch aus Sicht der Pharmaunternehmen haben Patientenprogramme viele Vorteile: Das “Empowerment” kann etwa bei Chronikern zu besseren Einhaltung der gesetzten Therapieziele führen und dadurch auch eine direkte finanzielle Wirkung entfalten. Zusätzlich wäre ein “Rückkanal” von den Patienten zu den forschenden Unternehmen sinnvoll. Die gewonnenen Daten über Patienten, ihre Bedürfnisse und “Pain Points” können in die Erforschung neuer Therapieoptionen einfließen und so einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität von Patienten leisten.

Allerdings: Der Pharmaindustrie fehlt der direkte Zugang zum Patienten bislang. Die Gatekeeper sind hier ganz klar Krankenkassen und Ärzte. (Und z.T. die Apotheken.) Das gilt auch in der digitalen Welt und hier vor allem für die Kassen. Deshalb wird es künftig wichtiger werden, dass Pharmaunternehmen sich ganzheitlich in “ihren” Therapiefeldern engagieren und sich vom reinen Produzenten und Lieferanten zum echten Gesundheitspartner der Kassen, Ärzte und Patienten transformieren. Ansonsten verlieren sie den Anschluss.

Kundenfokus: Der wichtigste Erfolgsfaktor ist der Patient

Gelingt der partnerschaftliche Schulterschluss im Gesundheitswesen, können alle Parteien gemeinsam profitieren. Der wichtigste Faktor dabei ist der Patient. Denn nur wenn die Patienten die für sie entwickelten Programme auch aktiv nutzen, gelingt die Transformation. Im Vordergrund müssen deshalb bei den Krankenkassen und anderen Digitalisierungs-Partnern der direkte Nutzen für die Patienten und ein hoher Qualitätsanspruch stehen. Das gilt für die eigentliche Inhalte ebenso wie für deren Präsentation: Eine positive “User Experience” unterstützt die Akzeptanz erheblich. Welcher Patient möchte sich schon gerne regelmäßig über schlecht bedienbarer Software ärgern?

Wenn dann mit einem guten digitalen Service für die Patienten auch evidenzbasierte Daten für Therapie-Entwicklung und Forschung erhoben werden, könnte das auch die Re-Finanzierung als Regelleistung ermöglichen. Der Sprung vom reinen Krankenversicherer oder Pharmaproduzenten hin zum ganzheitlichen Gesundheits-Dienstleister wäre geschafft.

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