Digitalisierung in der Pharmabranche: Segen oder Fluch?

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Turbulenter Jahresbeginn: Übernahmen, Verkäufe und Konsolidierungsversuche deuten darauf hin, dass die Pharmabranche sich verändert. Das liegt auch an der zunehmenden Digitalisierung. Ist sie Segen oder Fluch für Pharmaunternehmen? Eine Analyse von Sascha Langfus.

Das zweite Quartal 2018 ist noch nicht vorbei, doch zeigt sich schon jetzt: Dieses Jahr wird der Branche in Erinnerung bleiben. Sanofi verkauft seine Generika-Sparte an Advent, Merck KGaA den Consumer-Bereich an Procter & Gamble, Novartis seinen Consumer-Bereich an GSK. Und Takeda wird sehr wahrscheinlich Shire übernehmen – das wäre die größte Übernahme, die ein japanisches Healthcare-Unternehmen bisher jemals getätigt hat. Übernahmen, Verkäufe und Konsolidierungsversuche kennzeichnen (PDF) diesen turbulenten Jahresbeginn.

Auslöser dieser Entwicklung ist, dass bestehende Geschäfts- und Erfolgsmodelle von Pharmaunternehmen zunehmend unter Druck geraten. Denn die Zukunft liegt nicht mehr bei 1-fits-all-Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten, sondern in der patienten-individuellen Gesundheitsvorsorge. Als Teil dieses Trends erhalten Digitalisierung und Big Data Einzug in alle Funktionsbereiche der Healthcare-Unternehmen. Das wird Denkweisen und Abläufe revolutionieren.

Bei Digitalisierung nur Follower statt First Mover

Traditionell gehören Pharmaunternehmen nicht zu den Branchen, die Innovationen als erste einsetzen. Stattdessen setzt die Branche zumeist auf die “Follower”-Strategie – das ist sicherer und kosteneffizienter, als voranzugehen. Das entspricht der weit verbreiteten risiko-aversen Kultur in den Unternehmen, die sich vor dem Hintergrund eines hohen Regulierungsgrades entwickelt hat. Aber auch der Anspruch, stets sichere Medikamente in ausreichendem Maße bereitzustellen, führt dazu, dass Veränderungen eher als Eingriff in gut laufende Prozesse gesehen werden. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Branche Nachholbedarf bei der digitalen Transformation hat.

Dabei gibt es bereits etliche Beispiele dafür, welchen Mehrwert digitale Methoden stiften können, von Predictive Medicine in R&D bis zur Optimierung von Marketing- und Vertriebsprozessen. Nie gab es so viele Optionen, mit Patienten und Kunden in Kontakt zu kommen und sie durch die gesamte Customer Journey zu begleiten.

Andere Branchen, vor allem der Einzelhandel, sind da bereits weiter. Dort ist man schon länger darauf angewiesen, Kundenkontaktstrecken zu optimieren, um im Wettbewerb eine Chance zu haben. Die Digitalisierung eröffnet dabei zusätzliche Kanäle, aber sie verändert auch das Verhalten und die Wünsche der Kunden. Das zu managen ist eine Herausforderung. Kunden erwarten heute auch online viel mehr als nur Produktinformationen: Sie wollen schnelle Empfehlungen erhalten und unkompliziert erfahren, welche Produkte zu ihnen passen. Sie wollen direkt bestellen und sie wollen möglichst auch umgehend beliefert werden. Und einen Kaufimpuls kann sogar setzen, wenn die Kunden Spaß an der Nutzung eines digitalen Service haben.

Der größte Hebel für die Zukunftsplanung

All das erleichtert den Kunden ihren Alltag; denn kaum jemand ist gerne “Patient”, da ist jedes Plus an Bequemlichkeit und Spaß gern gesehen. Aber auch den Pharmaunternehmen kann die Digitalisierung Erleichterungen bringen. Gelingen die ersten Schritte der digitalen Transformation, können komplexe Prozesse verschlankt und beschleunigt, Ressourcen für neue Projekte freigesetzt und der Blick aufs Wesentlich geschärft werden.

Viele Unternehmen suchen ihren Segen dennoch in Verkäufen und Übernahmen. Dabei liegt der größte Hebel für eine sichere Zukunftsplanung viel näher. Das Zögern innerhalb der Branche bei der Digitalisierung verwundert dann doch ein wenig.

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