263. Lean Coffee: “Bei Agilität geht es um Menschen und Mindset”

Heute war es wieder so weit und wir haben bei süßen Donuts und frischem Kaffee die Kölner Lean Coffee Community bei uns am Dom begrüßt. Pünktlich um 8:00 Uhr haben wir mit rund 20 Leuten die Themensammlung eröffnet. Folgende vier Themen bewegten die heutige Runde:

  • Beteiligung introvertierter Mitglieder an Diskussionen fördern
  • Agilität jenseits der Software-Entwicklung – alternative Einsatzbereiche
  • Sind unsere Retros zu problemorientiert?
  • Spezialisierung versus Generalisierung / 2 Produkte versus 1 Stakeholder

Lean Coffee Thema #1: Beteiligung introvertierter Mitglieder an Diskussionen fördern

Mit insgesamt zehn Punkten hat das Thema “Beteiligung introvertierter Mitglieder an Diskussionen fördern” die meisten der Teilnehmer interessiert – und zur ersten regen Diskussion geführt. Was tun, wenn Meetings von “Lautsprechern” dominiert werden und sich andere mit ihren (wertvollen) Beiträgen eher zurückhalten oder gar untergehen? Hier wurden mehrere Ansätze und Ideen diskutiert.

Am Ende kamen wir zu dem Ergebnis, dass man niemanden verbiegen kann und soll – jeder Mensch ist so, wie er ist, und es gilt, jeden individuell zu ermutigen, seine Beiträge einzubringen! Die “Allzweckwaffe” gibt es nicht. Gerade in Teams ist die Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Charakteren sehr wichtig. Interessant fand ich, dass vereinzelt auf einen “Bullshit Buzzer” oder einen “Bla Bla Knopf” gesetzt wird, um jegliche Form von Meetings oder Diskussionen zielgerichteter und fokussierter zu führen.

Lean Coffee Thema #2: Agilität jenseits der Software-Entwicklung – alternative Einsatzbereiche

Aus der Diskussion des Themas “Agilität jenseits der Software-Entwicklung” lassen sich drei zentrale Aspekte festhalten:

Bei Agilität geht es um Menschen und Mindset! Für agiles Arbeiten muss sich eine gewisse Kultur entwickeln, diese muss wachsen und reifen. Es muss eine positive Fehlerkultur geben und zentrale Werte wie Offenheit, Respekt, Commitment und Mut müssen gelebt werden. Prozesse und Methoden gehören dazu, aber die Basis bildet die Kultur. Und das führt schon zum nächsten Punkt …

Agilität ist nicht Scrum! Und umgekehrt gilt: Nur weil jemand Scrum einsetzt, ist er nicht agil. Agilität darf niemals auf den Einsatz von Methoden und Tools reduziert werden oder nur auf der Prozessebene betrachtet werden – siehe 1.!

Die Wurzeln der Agilität liegen nicht in der Software-Entwicklung! Der Ansatz kommt aus der Automobilbranche und wurde schnell in die produzierende Industrie (vor allem Konsumgüter) übernommen. Agiles Arbeiten funktioniert in den unterschiedlichsten Einsatzgebieten, die von Komplexität geprägt sind. Software-Entwicklung ist eins davon.

Lean Coffee Thema #3: Sind unsere Retros zu problemorientiert?

Das dritte und letzte Thema heute war die Frage “Sind unsere Retros zu problemorientiert?”, die ein Teilnehmer von der Lean Kanban Konferenz in Hamburg mitgebracht hatte. Hierbei wurde die Unterscheidung zwischen “ungerichteten” und “zielgerichteten” Verbesserungen getroffen. Das konkrete Beispiel: Wir sitzen in einem Raumschiff und wollen zum Mars. Wir haben einen Defekt am Raumschiff. Also reparieren wir ihn. Die Mikrowelle geht kaputt. Also reparieren wir sie. Aber: Ist die Mikrowelle wirklich wichtig auf dem Weg zum Mars? Das Beispiel zeigt, dass oftmals der Fokus auf Problembehebungen liegt – und dabei Themen außer Acht geraten, die wir angehen sollten, um die eigenen Ziele, die Mission, wirklich zu erreichen. Dabei sollte natürlich jederzeit die Frage erlaubt sein: Warum wollen wir überhaupt noch mal zum Mars?

Mögliche Ansätze aus der Diskussion, um eine bessere Fokussierung zu erlangen:

  • “Hindernisgedanken” abbauen! Im Scrum-Setup ist der Scrum Master gefordert, den richtigen Fokus reinzubringen.
  • Retros mit Zukunftsorientierung! Eine Retrospektive kann neben dem Blick auf die Vergangenheit um eine Zukunftsorientierung ergänzt werden (nicht immer, aber manchmal).
  • Fokus auf Verbesserung in dem, was man kann. Wer sich darauf konzentriert, Dinge zu verbessern oder zu erlernen, die er nicht kann, wird nicht besser in dem, was er bereits “gut” macht.

60 Minuten Lean Coffee …

… sind immer wieder ein super Format, um in den Freitag zu starten und für das es sich definitiv lohnt, früher aufzustehen! Es ist schön, dass die Kölner Lean Coffee Community weiter wächst und sich so bei den wöchentlichen Treffen ein toller Mix aus alten und neuen Gesichtern, Vollblut-Agilisten und Agil-Interessierten, Projektmanagern, Product Owners und Scrum Masters aus den unterschiedlichsten Branchen an einem Tisch zusammenfindet, Erfahrungen teilt und konstruktiv diskutiert. Und deshalb freuen wir uns schon jetzt auf den 18. Januar, wenn wir die Lean Coffee 4 Product Owner Community bei uns begrüßen!

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