Alles agil: Das war die Agile Cologne 2018

Als ich im Sommer 2009 bei Sevenval im Web Development angefangen hatte, war agile Software-Entwicklung für mich komplettes Neuland. Ziemlich spannendes Neuland. Und es war ziemlich cool, dass ich bei einer Firma anfangen konnte, die Agilität wirklich jeden Tag lebt. Mir hatte sich bis dato ohnehin nicht erschlossen, wie man sinnvoll nach dem Wasserfallmodell Software entwickeln könnte und umso gespannter war ich, in die Tiefen der agilen Entwicklung einzusteigen.

Das ist bald neun Jahre her. Auch heute finde ich es jeden Tag aufs Neue interessant, agil zu arbeiten. Wir arbeiten im Product-Team nicht strikt nach Scrum und halten nicht an Tools fest, wenn wir wao.io weiterentwickeln. Vielmehr suchen wir uns aus verschiedenen agilen Ansätzen das für uns Beste, das Passendste raus. Und Agilität macht meiner Meinung nach auch genau das aus – dass man ständig in jede Richtung beweglich ist, offen für Neues bleibt und sich kontinuierlich austauscht. Es gibt keine Vorgabe, die nicht in Frage gestellt werden kann oder die sich nicht ändern kann.

Deshalb war ich auch total gespannt auf die Agile Cologne Anfang März. Sevenval hatte das Event gesponsert. Neun Tage nachdem die Tickets im Januar auf den Markt kamen, war die Agile Cologne bereits ausverkauft. Glücklicherweise hatten wir als Sponsor zwei der begehrten Tickets und so konnte ich mit einer Kollegin an dem Event teilnehmen.

Überwältigende Themenvielfalt bei der Agile Cologne

Bei über 180 Teilnehmern am Open Space Format kamen eine ganze Menge guter Themenvorschläge zusammen. Entsprechend schwer fiel mir die Auswahl der Sessions, die ich besuchen wollte. Angefangen habe ich dann mit dem “Präsenztraining”. Da ging es darum, wie man auftritt und wie man in bestimmten Situationen auf andere wirkt. Ich muss sagen, die Leiterin der Session hat mich zu Beginn mit dem Satz “Ich sehe euch an, was ihr denkt” echt gekriegt.

Danach ging es für mich direkt weiter mit der Session “Mach doch einfach, was ich sage”. Wer kennt es nicht: Einem Team werden Dinge beigebracht, Prozesse erklärt, und am Ende scheitert man doch, weil nicht das gemacht wurde, was eigentlich vereinbart wurde. In dieser Session ging es also darum, wie man Leute motiviert, definierte Ziele mit den Mitteln, die man ihnen an die Hand gibt, zu erreichen. Das Thema war echt spannend – und das Zeitfenster mit einer Stunde einfach zu kurz. Nach 60 Minuten ging es mit vielen interessanten Ansätzen dann in eine kurze Mittagspause. Gerne hätte ich hier mehr erfahren und mehr Zeit für den Austausch mit den anderen Teilnehmern gehabt, um die angerissenen Ideen und teils kontroversen Ansichten weiter zu vertiefen.

Was wir beim agilen Arbeiten von einem Samurai lernen können

Dann habe ich eine Session besucht, bei der es um die Grundsätze von Miyamoto Musashi, der das Buch “Fünf Ringe: Die Kunst des Samurai-Schwertweges” verfasste, ging. Das Buch wird oft für Management-Schulungen genutzt und die darin thematisierten Prinzipien lassen sich auch auf agiles Arbeiten adaptieren. Wir sind dann in der Gruppe die von ihm niedergeschriebenen Ideen durchgegangen und haben gemeinsam ermittelt, wie diese in unseren Alltag passen und wie man sie in einem agilen Umfeld interpretieren und umsetzen kann.

Die Session war sehr gut strukturiert und am Ende war ich positiv überrascht, wie viele der Prinzipien sich beim Agil-Leben und -Bleiben wiederfinden. “Sei nicht voreingenommen” oder “Stelle persönliche Vorlieben in den Hintergrund und konzentriere dich auf die Sache” sind nur zwei (von mir frei umformulierte) Grundsätze, die die Offenheit gegenüber Änderungen ausdrücken. Spannend fand ich daran die neue Perspektive, der Blickwinkel eines Samurais aus dem mittelalterlichen Japan. Das Buch ist eine interessante Quelle, die man so vielleicht nicht auf dem Schirm hat, wenn man sich im Bereich Agilität neue Impulse holen möchte.

Agile Cologne 2018: Ein Tag voller Inspirationen und Erfahrungen

Am Ende der Agile Cologne ging es für mich mit vielen Eindrücken und Inspirationen nach Hause. Die Atmosphäre war toll. Ich glaube, dass ich zwischen den Agile Coaches, Scrum Masters und Transformationsagenten einer der wenigen Entwickler war – trotzdem oder vielleicht genau deswegen war es für mich eine super Erfahrung, dabei gewesen zu sein.

Dass bei dem Open Space Format in kürzester Zeit eine so große Menge an Session-Vorschlägen gemacht wurde, hat mich echt überrascht. Und so war es an dem Tag für mich wahrscheinlich die größte Herausforderung, mich bei der Vielzahl der Sessions zu entscheiden. Hier knüpft auch mein Wunsch fürs nächste Jahr an: Ich würde mir eher längere (und weniger) Sessions und kleinere Gruppen wünschen, um mehr in die Tiefe gehen zu können. Und wenn es dann noch etwas mehr Zeit zwischen den Sessions für Austausch und Diskussion geben würde: Daumen hoch für die Agile Cologne!

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