Ein Tag lang Git oder wie ich zum bib zurückkehrte

Inzwischen ist es fast acht Jahre her, dass ich am bib International College in Bergisch Gladbach mein Medieninformatik-Studium abgeschlossen habe. Höchste Zeit also, dort mal wieder vorbeizuschauen – und dieses Mal selbst vorne zu stehen, bei einem Workshop zum Thema Versionsverwaltung mit Git.

Am Dienstag war es soweit. Für mich fühlte es sich ein bisschen wie ein Heimspiel an, als ich zusammen mit meinem Developer-Kollegen Marvin beim bib ankam und mich prompt ein paar Dozenten namentlich begrüßten. Auf uns warteten 13 Informatik-Studenten, die sich hoffentlich genau wie wir auf die Abwechslung zum normalen Alltag freuten – für sie keine gewohnten Vorlesungen und für uns ein Tag abseits des Projektalltags.

Ein Arbeitstag der anderen Art für Marvin (rechts) und mich

Doch von vorne. Ich finde es gut, Wissen und Erfahrungen zu teilen. Wenn man die Chance hat, angehenden Entwicklern etwas mitzugeben und einen kleinen Beitrag zu leisten, dass sie gute Entwickler werden, dann ist das eine gute Sache. Daher war ich im letzten Jahr gerne zusammen mit meinem UX-Kollegen Christian als Coach beim Code+Design Camp in Köln dabei. Und so kam uns auch die Idee für den Git-Workshop am bib.

Als ich 2010 an meinem Abschlussprojekt am bib saß, hat mir das Wissen zu Git gefehlt. Wir haben damals in einer kleinen Gruppe ein Computerspiel zur Unterstützung von biofeedbackgesteuertem repetitiven Training in der Ergotherapie programmiert. Mit Hilfe von Infrarotkamera und Infrarotleuchtdioden konnten Menschen mit körperlichen Einschränkungen so ihre Bewegungsfähigkeit trainieren. Das Thema Versionskontrolle kannten wir nicht, wir haben Code händisch zusammenkopiert und per USB-Stick ausgetauscht, was echt nervig und vor allem fehleranfällig war. Als ich dann im Arbeitsleben Git kennengelernt habe, war das logischerweise eine enorme Erleichterung.

Git ist einfach eine Grundvoraussetzung, um im Team sinnvoll zusammenzuarbeiten. Und genau dieses Wissen wollten Marvin und ich in einem Workshop an die jetzigen Informatik-Studenten am bib weitergeben. Wichtig war uns, dass wir nicht nur bei trockener Theorie bleiben, sondern zeigen, wie Git praktisch genutzt wird. Und deswegen war im Workshop Hands on angesagt: Wir haben die Studierenden erst mal ein eigenes Git-Projekt einrichten lassen und sie bewusst auf bestimmte Probleme hingelenkt, die wir dann aufgegriffen und gemeinsam gelöst haben. Man kann sagen, dass wir uns das Thema gemeinsam erarbeitet haben – und ich glaube, jeder hatte sein kleines Aha-Erlebnis an diesem Tag.

Für Marvin und mich hieß das in der Konsequenz, dass wir uns zur Vorbereitung genau überlegt haben, wie wir Dinge anschaulich erklären können, denn angeblich hat Einstein einmal gesagt: “Wenn du es nicht einfach erklären kannst, dann hast du es selbst nicht gut genug verstanden.” Ein Beispiel aus unserem Git-Workshop zum Thema die Git-Historie eines Projekts rückwirkend zu verändern: Man pinkelt ja auch nicht in den Hauptarm des Flusses, wenn weiter stromabwärts andere Leute daraus trinken wollen. Also: Rebasen und ähnliches nur in lokalen Branches oder in Branches, von denen niemand anderes abzweigt!

Relativ schnell kam auch die Rückfrage, wieso wir die praktischen Teile des Workshops über die Kommandozeile erarbeiten und nicht über eine IDE. Uns ging es darum, dass die Studenten wirklich verstehen, was im Hintergrund passiert. Und das geht über Kommandozeile eben besser als wenn wir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die richtigen Klicks in irgendeiner Oberfläche bereitgestellt hätten.

Nach fünf Stunden Workshop hatten wir noch Zeit für Fragen und Antworten. Marvin und ich haben aus unserem Developer-Alltag berichtet, mit welchen Technologien wir in Frontend-Projekten arbeiten und wie das Arbeiten bei Sevenval so ist (ziemlich cool, um es kurz zu fassen!).

Überraschend war auch, dass den meisten der Studenten nicht bewusst war, dass ein modernes Frontend viel viel mehr mit Programmierung zu tun hat, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Die Zeiten von reinem HTML mit CSS und ein bisschen Inline-Javascript sind vorbei. Was die Studenten auch bewegt hat: Muss ich mich als Entwickler für Frontend oder Backend entscheiden oder kann ich später einfach zwischen den Bereichen wechseln? Hier haben wir Aufklärungsarbeit geleistet. Denn: Du hast immer die Möglichkeit, dich als Developer zu verändern. Wenn du erst einmal ein gutes programmatisches Verständnis hast, ist es nur eine Frage der Tools und Technologien, ob du im Frontend oder Backend unterwegs bist oder vielleicht sogar beide Bereiche gleich stark abdeckst.

Ich muss ehrlich zugeben, dass Marvin und ich nach dem Workshop müde nach Hause gefahren sind – müde und zufrieden. Als Entwickler ist man irgendwie miteinander verbunden, meinte Marvin zum Schluss. Und da hat er recht. Ein Developer sieht einen anderen Developer nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. Logischerweise arbeitet jeder von uns gerne mit anderen guten Developern zusammen. Wir lernen selbst viel von anderen und da ist es toll, wenn man etwas zurückgeben oder den Nachwuchs-Entwicklern mitgeben kann.

Unser Fazit: Der Workshop schreit definitiv nach Wiederholung – Marvin und ich sind beim nächsten Jahrgang gerne wieder dabei, um unser Wissen und unsere Erfahrungen zu teilen!

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