Lean Coffee Cologne on Tour – Ausgabe 273

lean coffee cologne

Vor rund sechs Jahren fand der erste “Lean Coffee” an einem Karnevalsfreitag mit genau einem Teilnehmer statt. Über 270 Treffen später sieht das schon ganz anders aus. Ein Rückblick auf den 273. Lean Coffee Cologne.

Wer auch immer auf die Idee kam, den ersten Lean Coffee Cologne auf einen Karnevalsfreitag zu legen… 😉 Das war 2013 – und genau ein Teilnehmer erschien. Dagegen war die Runde bei Ausgabe 273 am 8.2.2019 im Kölner Sevenval-Office am Dom so groß, dass noch zusätzliche Sitzgelegenheiten organisiert werden mussten. Viele spannende Teilnehmer-Beiträge waren also zu erwarten. Und so kam es auch. Ein Rückblick auf die fünf Themen des 273. Lean Coffee Cologne:

lean coffee cologne

1. Buchtipps, all-time und aktuell

* Agilität neu denken: Warum agile Teams nichts mit Business Agilität zu tun habenvon Klaus Leopold (Link zum Buch)

* Turn The Ship Around!: A True Story of Building Leaders by Breaking the Rules von L. David Marquet (Link zum Buch)

* Selbstorganisation braucht Führung: Die einfachen Geheimnisse agilen Managementsvon Boris Gloger und Dieter Rösner (Link zum Buch)

* Selbstorganisierte Teams führen: Arbeitsbuch für Lean & Agile Professionals von Siegfried Kaltenecker (Link zum Buch)

* Zukunftsblind: Wie wir die Kontrolle über den Fortschritt verlierenvon Benedikt Herles (Link zum Buch)

* Strategize: Product Strategy and Product Roadmap Practices for the Digital Age von Roman Pichler (Link zum Buch)

* Liberating Structures: Entscheidungsfindung revolutionieren von Franziska Knorr, Daniel Steinhöfer und Christian Weinert (Link zum Buch)

* workhacks: Sechs Angriffe auf eingefahrene Arbeitsabläufe (Haufe Fachbuch) – von Lydia SchültkenMichael Tomoff, Patrick BaumannCéline IdingStefan Decker, Rainer Kruschwitz und Markus Mathar (Link zum Buch)

* Meet up!: Einfach bessere Besprechungen durch Nudging. Ein Impulsbuch für Leiter, Moderatoren und Teilnehmer von Sitzungen – von Martin J. Eppler und Sebastian Kernbach (Link zum Buch)

* Die 5 Dysfunktionen eines Teams – von Patrick M. Lencioni (Autor), Andreas Schieberle (Übersetzer) (Link zum Buch)

2. Kennt ihr das venezianische Arsenal (Flussoptimierte Massenproduktion)?

Venedigs Staatswerft war einst eine gigantische Fabrik und die leistungsfähigste Schiffsbaustätte ihrer Zeit. Ein paar Daten rund um dieses historische Beispiel für eine flussoptimierte Massenproduktion:

  • 3.000 Schiffe auf See
  • 12.000 bis 13.000 Mitarbeiter
  • Jeden Tag wurde ein Schiff produziert
  • Gesicherte Versorgung mit Rohstoffen durch eigene Wälder
  • Galileo Galilei arbeitet für das venezianische Arsenal
  • Fortbestand der Republik war oberstes Ziel
  • Die Werft funktioniert ähnlich wie eine moderne “Schiffsproduktionsstraße”
  • Durch Experimente wurde die Produktion immer effizienter

“Der Bau des Arsenals wurde unter dem Dogen Ordelaf Falier ab 1104 begonnen. Das Grundstück bestand aus zwei sumpfigen Inseln im Stadtteil Castello. Diese Werft, die als größter Produktionsbetrieb Europas vor dem Zeitalter der Industrialisierung betrachtet werden kann wurde zum Vorbild für andere Marinearsenale in Europa.” (Quelle)

Dieser kurze historische Exkurs hat uns gezeigt: Das venezianische Arsenal kann auch heute noch als Vorbild dienen.

3. Wie starten?

Am Beginn eines jeden neuen Projekts steht die Frage: Wie starten wir? Und diese Frage hat etliche Dimensionen, die wir uns beim Lean Coffee klargemacht haben:

  • Wo fängst Du an, wie fängst Du an?
  • Stelle ich diese Frage dem Team oder mir selbst?
  • Ein neues Team bedeutet auch immer eine neue Herausforderung.
  • Wer ist der Initiator?
  • Gibt es schon gemeinsame Erfolge?
  • Wurden bereits Ziele definiert, was der Auftraggeber erreichen möchte?
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Irgendwann ist der Coach wieder weg – habe die Teammitglieder das verinnerlicht?
  • Warum ist Agilität in diesem Projekt überhaupt sinnvoll?
  • Von wem kommt der Auftrag und möchte das Team überhaupt Unterstützung? (Häufige Antwort vom Auftraggeber: „Wir wollen effizienter werden, 20% der Angestellten sind nicht genug ausgelastet.“)

Der Coach versucht ein bis zwei Wochen den Kunden im Tagesgeschäft zu begleiten bevor er den Vertrag aushandelt. Er beobachtet, ohne Partei zu ergreifen. Erst dann können die gestellten Fragen objektiv beantwortet werden.

4. Wie schafft man Vertrauen?

Erst läuft die Zusammenarbeit richtig gut, doch dann schleicht sich Misstrauen ein. Bei Google wird die Anzahl sarkastischer Dilbert-Cartoons in den Büros der Mitarbeiter als Indikator für das gegenseitige Vertrauen gezählt 🙂

(Quelle: Dilbert by Scott Adams, 14. Juni 2011)

Woher kommt das Misstrauen – und wie geht man damit um?

  • Möglicherweise ist das Misstrauen begründet. Man muss klären, wo die Erwartungshaltungen auseinander gehen.
  • Wie stark ist das Misstrauen bereits, steht eine “emotionale Explosion” bevor?
  • Es ist wichtig, Empathie zu entwickeln und im Team aufzubauen.
  • Ein gemeinschaftliches Bewusstsein sollte geschaffen werden.
  • Es gibt kalte Konflikte, bei denen nicht mehr miteinander gesprochen wird.
  • Friedrich Glasl unterscheidet drei Ebenen und neun Stufen der Konflikteskalation – diese zu kennen ist hilfreich:

(Quelle: Glasl, 1994, S. 216, 218-219 // Grafik von Wikimedia // Lizenz: CC BY-SA 2.0 DE)

Und weiter:

  • Muss der Projektmanager Coach oder Moderator sein?
  • Eine Situation, die kurz vor dem Explodieren steht, ist nicht zwangsläufig auf die Beteiligten zurückzuführen. Häufig sind solche Konflikte einer strikt hierarchischen Konzernstruktur geschuldet: Der Einzelne hat wenig Freiheit zu handeln, alles ist abhängig von Entscheidungen höherer Stellen.

5. Ist SAFe agil?

Zum Abschluss des 273. Lean Coffee Cologne haben wir diskutiert, ob SAFe wirklich agil ist. Die Meinungen der Teilnehmer dazu:

  • Wir müssen uns damit auseinandersetzen, weil SAFe in aller Munde ist.
  • Es könnte sich um ein verkapptes Wasserfallmodell handeln: SAFe ist ein Framework, in dem sehr viel SCRUM vorkommt.
  • Der agile Anstrich wird schnell eingeführt.
  • SAFe zwingt den Einzelnen dazu, sich in einer übergeordneten Rolle zu bewegen, auf der Koordinationsebene.
  • In einer SAFe-Blaupause sollte man nicht gefangen bleiben, was leicht passieren kann.
  • Nicht zu vergessen das Zitat des Tages: “Wer 30 Jahre lang scheiße gearbeitet hat, hält SAFe für eine gute Idee.”

Hier gibt es noch einen Überblick über SAFe-Zertifizierungen.

Der nächste Lean Coffee Cologne: 15. Februar

Das war mein Rückblick auf die Themen des 273. Lean Coffee Cologne. Am Freitag, dem 15.02. findet der 274. Lean Coffee Cologne bei „brandung“ in Köln-Ehrenfeld statt.

(Weitere Berichte über Lean Coffee Veranstaltungen…)

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