Lean Coffee: zwischen Projektplanung und Lebenszielen

lean coffee cologne

Mein erster Besuch beim Lean Coffee Cologne: jede Menge alte Hasen und ich. Hier möchte ich euch berichten was wir mit knapp 20 Leuten am Freitagmorgen (5. Juli) diskutiert haben. Mit einer großen Themenfindung starteten wir in das Meeting, produktiv von Minute Eins an. Insgesamt haben wir vier Themen diskutiert und versucht, Lösungsmöglichkeiten abzuleiten.

1. Wie kann ich damit umgehen, wenn eine Kompetenz im Team nur zu 50% benötigt wird?

Stellt euch das Szenario vor, dass ihr ein Produkt entwickelt habt und nun nur noch dabei seid, neue Features einzubauen und eventuelle Design-Updates zu machen. Sonst braucht ihr im Projekt wenig Designkompetenz. Sobald die Stelle aber nicht ganz besetzt ist, stellen sich immer Engpässe in der Planung ein.

Drei Lösungen wurden vorgeschlagen und besprochen:

  • Die Person entwickeln: Nach klassisch agiler Denkweise kann die Person sich in eine Person mit T-Shape entwickeln, indem sie langsam neue Fähigkeiten erlernt.
  • Klare Verfügbarkeiten setzen: Im Planning offen mit der Zeiteinteilung umgehen und gemeinsame Scrum-Termine schaffen.
  • Definitives No-Go: Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen um die Zeit im Projekt zu 100% auszufüllen.

2. Wie können wir agile Personalentwicklung in ein agiles Team Setup bringen, um für mehr Lebensfreude bei den Mitarbeitern zu sorgen?

Ganz im Sinne der positiven Psychologie und dem Leitgedanken deren Mitbegründers Martin Seligman haben wir uns hier mit den „positiven Aspekten des Menschseins“ beschäftigt – wie zum Beispiel Lebensziele und wertstiftende Arbeit. Dabei ging es um ein selbstentwickeltes PURE Model (Purpose, Understanding, Responsibility, Enjoyment).

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Anhand einzelner Fragen haben wir uns selbst und den Einfluss unserer Arbeit auf unsere Lebensziele reflektiert. Wie das geht? Indem man sich genau überlegt, welche Tätigkeiten man derzeit ausübt und welchen Nutzen und Wert diese schaffen. Ebenso gilt es zu beleuchten, für wen man arbeitet und ob man die Projektziele selbst definiert hat. Zu guter Letzt kann man sich nun fragen, ob diese auch auf die persönlichen Werte einzahlen. Diese Technik erfordert ein hohes Maß an Reflexion und Abstraktion, daher ist es vermutlich in einem kleineren Rahmen und mit mehr Zeit besser aufgehoben. Trotzdem war es ein spannendes Gedankenexperiment.

3. Wie kann ich zwischen Produkt- und Teamentwicklung priorisieren?

Wenn man nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung hat, stellt sich stets die Frage, wie man Arbeitspakete und Tätigkeiten priorisiert. Das trifft natürlich auch darauf zu, ob man sich eher um das Team Coaching kümmert oder mehr Zeit in die fachliche Projektseite investiert.

Die gesammelten Lösungen:

  • Es gibt nur eine: Beide Bereiche lassen sich nicht trennen. Wer mehr Mehrwert schaffen möchte, muss das Team weiterentwickeln, sonst steigt die Frustration bei sinkendem Output.
  • Trotzdem wichtig: Man sollte sich stets fragen von welchem Ausgangspunkt wir sprechen, das heißt wann Teamentwicklung schon sinnvoll sein kann, auch wenn man vielleicht noch keine großen, agilen Methoden eingesetzt hat.

4. Wie kontrovers darf bzw. muss ein Agile Coach im Unternehmen sein?

Als Coach ist man natürlich auch dafür da, unangenehme Wahrheiten anzusprechen. Trotzdem möchte man idealerweise eine Mitarbeit des Unternehmens am Veränderungsprozess erreichen und keine bloße Abschottung. So kann man das schaffen:

  • Mit Respekt: Das Unternehmen, das bestehende System und die Mitarbeiter sind gemeinsam in eine bestimmte Richtung gewachsen. Vielleicht ist diese nicht ideal, aber zumindest eine Richtung. Um diese umzustoßen ist Respekt nötig, Ehrfurcht vermutlich nicht.
  • Sich bewusst einsetzen: Kontrovers aufzutreten, kann eine sinnvolle Methode sein, um Menschen „aus ihrem Schneckenhaus zu locken“. Trotzdem sollte immer noch genug Zeit bleiben wieder zusammenzufinden und die Methode abzuschließen, um beiden Parteien die Chance zu geben, ihr Gesicht zu wahren.

Das war mein erster Lean Coffee: eine Stunde angeregte Diskussion und interessante Selbstexperimente. Meine Kernerkenntnis: Jedes Unternehmen und jedes Projekt verdient für den bisherigen Stand Respekt – trotzdem muss klar sein: Nur durch Reibung entsteht Glanz.

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Mehr: Lean Coffee Meetups, die bei Sevenval stattgefunden haben

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