Gelungene Product People Konferenz in Köln

Letzte Woche Freitag war ich auf der Product People Konferenz in Köln – oder wie der offizielle Name des Events war: “Spezial-Konferenz für Product Owner · Produkt‑Manager · Business‑Analysten… und interessierte Stakeholder aus Produkt- und Service-Entwicklung” Dabei war den Veranstaltern vor allem eines wichtig, nämlich: die Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Kurzer Spoiler an dieser Stelle: Ja, genau dies ist sehr gut gelungen!

Doch von vorne. Gegen 10:30 Uhr bin ich durch die Pforten des AXA Colonia Gebäudes, um mich an der Anmeldung zu registrieren. Dort wurde mir ein Sevenval-Bag mit vielen nützlichen Accessoires übergeben und anschließend wurde ich in das Auditorium geführt, wo die Konferenz starten sollte. Vorher blieb noch genügend Zeit fürs Networking mit Project Managern, Product Ownern, Agile Coaches, Beratern, Menschen aus dem digitalen Umfeld und welche, die keine digitalen Schnittstellen haben. Wir haben über aktuelle Themen, wie die DSGVO, Prozesse und Projekte gesprochen.

Dann fiel der Startschuss für die Product People Konferenz. Oliver Boeff (auch bekannt als Boeffi) hat alle Teilnehmer willkommen geheißen mit einer sehr erfrischenden und witzigen Begrüßung, die Lust auf mehr machte.

Keynote über die Umsetzung von agilen Projekten

Anschließend gab es einen kurzen Vortrag von Coach und Denker Heinz Erretkamps. Er sagt: “Jeden Tag überholen neue Entdeckungen alte Weisheiten. Die Menschen entwickeln sich schnell, Informationen werden zur Flut. Zwar ist das Leben noch nicht ganz unvorhersehbar geworden, aber unsere Sichtweite hat sich verringert. Komplexität bedeutet jedoch zuerst Reichtum statt Risiko. Wir müssen lernen, diesen Schatz gemeinsam zu heben.” In seiner Keynote-Speech berichtete er über die Umsetzung von (agilen) Projekten und was seiner Meinung nach der ideale Ansatz für erfolgreiche Projektentwicklung ist. Interessant fand ich dabei vor allem, dass nicht nur Software-Projekte Berücksichtigung gefunden haben, sondern beispielsweise auch die Entwicklung eines Autositzes. Was mir insoweit die Augen geöffnet hat, dass agiles Arbeiten nicht immer mit der Entwicklung von Software in Verbindung stehen muss.

Meine besuchten Sessions – oder: kein Projekt darf länger als 12 Wochen dauern

Nach der Keynote von Heinz ging es in die Open-Space-Themensammlung, bei der jeder Teilnehmer sein Thema auf eine Karte schreiben, dem Plenum vorstellen und abschließend auf einem Zeitplan platzieren konnte. Mich hat das Format des Open-Space einmal mehr begeistert, weil tatsächlich alles sehr offen gehalten wurde. Doch dazu später mehr.

Nachdem die Themen gesammelt waren, ging es in die Sessions. Ich habe folgende Sessions besucht:

  • Kompetent UX entwickeln – Wie werden wir besser?
  • Warum, wie steigert “Agile” die Qualität im Sprint/Etappe?
  • Lean Coffee – Vorstellung des Formats
  • Vorhersagen zu Aufwand & Machbarkeit

Die Zeit verging rasend schnell und ich habe an allen Sessions von Anfang bis Ende teilgenommen. Besonders hervorheben möchte ich die zweite Session, in der es primär darum ging, den Teilnehmern mitzugeben, dass sie bei aller Komplexität ihrer Projekte nicht zu weit in die Zukunft schauen bzw. planen sollen. Wichtig sei es, dass wir uns in planbaren Sphären bewegen sollen. Eine These lautete, dass kein Projekt länger als 12 Wochen dauern und in der Zeit immer einen MVP (Minimum Viable Product) als Ergebnis erzielt werden soll. Ich finde den Ansatz äußerst interessant, weil es zumindest in meinen Projekten bei derart hoher Komplexität schwierig ist, über einen langen Zeitraum verbindlich zu planen. Die Idee, immer nach 12 Wochen einen definierten Ergebnistypen, MVP, auszuliefern und auf der Basis weiterzuentwickeln, klingt für mich plausibler als ein Projekt zu planen, welches 12 Monate dauert und wo während der Umsetzung festgestellt wird, dass sich Anforderungen immer wieder verändern.

Spannende Themen und Ansätze für mein Tagesgeschäft als Projektmanager

Zum Ende der Product People Konferenz gab es noch eine Zusammenfassung mit Stimmen aus dem Kreis der Teilnehmer. Das Feedback war sehr positiv. “Endlich mal ein Event, wo ich meine Themen platzieren und mit Gleichgesinnten diskutieren konnte” oder “mir hat besonders gefallen, dass es unterschiedliche Sessions zu unterschiedlichen Themen gab, wovon ich inhaltlich profitieren und lernen konnte”, waren einige der Punkte, die als Fazit genannt wurden. Danach ging es ins lange Pfingstwochenende oder aber ins Gilden Brauhaus, wo einige noch eine ganze Weile bei leckerem Kölsch diskutiert haben.

Rückblickend kann ich sagen, dass sich die Teilnahme an der Product People Konferenz für mich als Projektmanager sehr gelohnt hat. Es war insgesamt ein wirklich sehr interessanter und intensiver Tag mit vielen tollen Themen und Ansätzen, die ich in mein Tagesgeschäft einfließen lassen werde. Keine Frage also, dass ich gerne bei der nächsten Auflage der Konferenz im November dabei sein möchte!

Open-Space – ein kurzer Exkurs

Abschließend noch ein kurzer Ausflug in die Open-Space-Thematik. Mir hat das Format vor allem deshalb sehr gut gefallen, um die für mich wirklich relevanten Themen zu finden und diese mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Wikipedia liefert zu Open-Space eine sehr treffende Beschreibung, die ich an dieser Stelle gerne zitiere:

„Im Open-Space gibt es vier Prinzipien (eigentlich eher Beobachtungen, wie sich die Welt zeigt)

  • Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute – einer oder 25 ist egal, und jeder ist wichtig und motiviert.
  • Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte – Ungeplantes und Unerwartetes ist oft kreativ und nützlich.

  • Es beginnt, wenn die Zeit reif ist – wichtig ist die Energie (nicht die Pünktlichkeit).

  • Vorbei ist vorbei – Nicht vorbei ist Nicht-vorbei – wenn die Energie zu Ende ist, ist die Zeit um.”

Vom Gesetz der zwei Füße, Hummeln und Schmetterlingen

Außerdem gilt bei nach dem Open-Space-Format organisierten Events ein Gesetz: das Gesetz der zwei Füße. Es drückt im Wesentlichen Freiheit und Selbstverantwortung aus, denn ein Teilnehmer bleibt nur solange in einer Gruppe, wie es für ihn selbst sinnvoll ist – solange wie er etwas in der Session lernen oder aber selbst beitragen kann. Es ist also absolut in Ordnung, wenn ein Teilnehmer entscheidet, eine Session zu verlassen oder später dazuzustoßen.

Und das führt schon zum nächsten Punkt, nämlich zu den sogenannten Hummeln und den Schmetterlingen. Greift bei einem Open-Space-Event das Gesetz der zwei Füße, so zeigen die Teilnehmer manchmal ein ganz bestimmtes Verhalten: Die einen bewegen sich von einer Session zur nächsten – wie die Hummel von Blüte zu Blüte – und befruchten die einzelnen Sessions. Die anderen wiederum sind Anziehungspunkte, etwa durch ein spannendes Thema oder eine gewagte These – und locken wie ein bunter Schmetterling weitere Interessierte an.

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