So war der Digitale Leute Summit 2019!

Unsere Berliner Senior Projektmanagerin Manuela ist extra von Berlin nach Köln zur Digitale Leute Konferenz im Palladium gereist und schildert ihre Eindrücke und Inspirationen, die sie von diesem spannenden Event mitnehmen konnte.

Am 28.11.2019 war ich zum ersten Mal in Köln auf dem Digitale Leute Summit, einer Konferenz zum Thema Produktentwicklung. Besonders spannend dabei ist, dass das Thema aus den Dimensionen UX, Strategie und Lessions Learned beleuchtet wurde.

Wie immer hatte der Zug von Berlin nach Köln Verspätung, aber dank eines ambitionierten Kölner Taxifahrers war ich doch noch fast pünktlich vor Ort im Palladium. Über die Konferenz App „Talque” meldet sich bereits Thomas, ein Freund und Ex-Kollege, bei mir und wir konnten uns trotz Getümmel direkt finden. Die App informierte mich im weiteren Verlauf regelmäßig über Speaker, E-Scooter Freiminuten oder Gewinnspiele, was ein super Add on war.

Meine Favoriten des Tages:

Asynchrones Daily oder wie man Remote arbeiten gestaltet

Da wir gerade mitten in einem Merger von Sevenval hin zu Avenga stecken, und unsere neue Company über drei Kontinente verteilt sein wird, war das Thema Remote für mich besonders spannend. Tim Herbig, Product Lead von Iridion, ist ein glühender Verfechter des Remote Modells, stellte aber auch direkt klar, dass es nicht darum geht Geld zu sparen, sondern die Zusammenarbeit über Kontinente und Zeitzonen hinaus zu ermöglichen: 

Am meisten beeindruckt hat mich, dass er die Paradigmen des Zusammenarbeitens wie „an Dailys müssen alle teilnehmen“ oder „Workshops funktionieren nur, wenn alle Teilnehmer an einem Ort sind” komplett in Frage gestellt hat. Er schlägt ein asynchrones Daily vor: Jedes Teammitglied zeichnet eine Minute Bewegtbild mit Status und Klärungsbedarf auf und teilt das im entsprechenden Slack Channel. So sind alle informiert und können sich separat abstimmen. Auch die Idee, Workshopideen zu scribbeln, einzuscannen und an alle zu verteilen um danach gemeinsam Entscheidungen zu treffen hat mich zum Nachdenken gebracht.  

Passend dazu hat er Mural vorgestellt: Ein digitales Whiteboard, an dem gemeinsam und standortübergreifend an einem Thema gearbeitet werden kann. Das Tool werde ich definitiv zukünftig einmal ausprobieren. Die Einsatzmöglichkeiten in unseren Projekten sind dabei vielfältig: von einfachen Skizzen über Brainstorming bis hin zur Entwicklung von komplexen Workflows. 

Vom Mut, ein echtes MVP zu schneiden 

Der Talk mit Kristina Walcker-Mayer, Product Lead bei N26, hat noch einmal auf anschauliche Weise verdeutlicht, was ein MVP eigentlich bedeutet. Die kleinste gewinnbringende Einheit ist zwar in aller Munde, aber was ist genau darunter zu verstehen? Bei jedem neuen Produkt sollte man sich am Anfang auf die fünf bis sechs  wichtigsten Use Cases konzentrieren. Für das erste MVP entscheidet man sich für genau einen der Use Cases, wobei Funktion vor Wertschöpfung steht. Zur Veranschaulichung nannte sie das Beispiel, dass ohne einen Kundenzugang zum Konto die besten zusätzlichen Funktionen nichts nützen. Deshalb rät sie dazu, im ersten MVP immer mutig zu schneiden.

Dummy Marken für schnellere Sichtbarkeit 

In dieser Case Study berichteten Sven Christian Andrä und Dr. Michael Wegener, wie sie den etwas aus der Zeit gefallenen Tech Stack der Online Plattform von Klingel (ein traditioneller Katalogversandhändler) in kurzer Zeit zu einem State of the Art Tech Stack transformiert und damit auch agile Strukturen im Unternehmen etabliert haben.

Das Entwicklungsteam hat kurzerhand eine Dummy Marke ins Leben gerufen, alle verfügbaren Damenhandtaschen-Angebote des Versandhandels in einem neuen Shop dieser Marke gebündelt, das Ganze an einen neuen Check-out Prozess angeschlossen und live gestellt. Mit dieser pragmatischen Herangehensweise konnte bereits nach drei Monaten ein erstes sichtbares Ergebnis für die Geschäftsführung erzielt und Nutzerfeedback unter realen Nutzungsbedingungen gesammelt werden. 

Was ich aus diesem Votrag für meine Projekte mitnehme, ist ein brauchbarer Ansatz, wie man in komplexen technischen Infrastrukturen schnell Sichtbarkeit erzeugen kann.

Service Design als integraler Bestandteil des Produkt Entwicklung Team

Im Talk der Interhyp wurden die Erfahrungen mit der Rolle „Service Designer“ näher beleuchtet, was für mich super interessant war, da wir genau diese Rolle in meinem letzten Projekt ebenfalls installiert hatten. Genau wie wir hat auch Interhyp damit durchweg positive Erfahrungen gemacht. Das Projektteam besteht dann aus einem PO, einem Service Designer, einem UX’ler und dem Dev Team. So kann sich der PO auf die Entwicklung im Rahmen der nächsten vier bis sechs Wochen konzentrieren, während der Service Designer die Vision im Auge behält und in die neuen Features mit einwebt.

Blut Schweiss und Tränen – wie manage ich Frustration

Wirklich kurzweilig war der Beitrag von Marc Abraham, der über die Frustrationen im PO- Alltag gesprochen hat und vor allem darüber, wie dagegen vorgegangen werden kann. Witzigerweise habe ich vieles von dem, was er vorgeschlagen hat, auch in meinen letzten Produktentwicklungsprojekt umgesetzt. Da ist z.B. die Impact Map, um die ständigen Anforderungsänderungen seitens des Kunden zu managen. Eigentlich ganz simpel, aber sehr effektiv: Darunter ist eine Liste zu verstehen, in der die Feature Änderungen stets mit zugehörigen Abhängigkeiten zum ursprünglichen Feature- Umfang, Zeit und Kosten, aufgelistet sind. Marc Abrahams werde ich mir auf jeden Fall kaufen. Ich denke, das ist wirklich lesenswert.

Flexitarisch durch den Tag

Das Catering war sehr gut. Es war für jeden etwas dabei- vegan, vegetarisch und auch Fleisch. Und Sevenval hat sich auch um unser Wohl gekümmert 🙂 Der von uns gesponserte Kaffeestand war einer der beliebtesten, soweit ich das überblicken konnte.

Mein Fazit

Ich habe viele kleine Hacks und Tweaks für meine nächsten Projekte mitnehmen können, aber die eine große life- changing Erkenntnis war nicht dabei. Was aber auch gar nicht so schlimm ist, denn es zeigt nur, dass wir bei Sevenval powered by Avenga auf dem richtigen Weg sind, wie wir unsere Projekte besetzen und bei der Produktentwicklung vorgehen.

Aber noch ein Punkt zu den Beiträgen: Neben den genannten Favoriten gab es auch einige recht enttäuschende Vorträge, in denen das titelgebende Thema in keinem Satz vorkam. Dort hatte man das Gefühl, in einer Werbeveranstaltung für bestimmte Plattformen oder von neuen Produkten zu sitzen. Davon waren vor allem die Talk Formate betroffen – hier könnte der Veranstalter nachbessern. 

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