The WEB Conference 2018 – Lyon

Nachdem wir auf der WWW-Conf 2016 in Montréal (WWW2018) unser Projekt history-diagnostics: Context-based A/B test validation vorstellen konnten und mit vielen sehr spannenden Eindrücken und Ideen nach Hause gekommen sind, bot sich dieses Jahr die Gelegenheit, die WEB Conference in Lyon zu besuchen.

Überblick

Die ersten zwei Tage der Konferenz waren Workshops, Tutorials, special tracks, wie The BIG Web, und co-located events vorbehalten. Danach folgten drei intensive Tage vollgepackt mit wissenschaftlichen Vorträgen.

© UdL / Insight-Outside / INRIA Sébastien Ferraro

Im Vergleich zur WWW2018, ist der Einfluss des Web auf gesellschaftliche Entwicklungen im Programm deutlich präsenter: Es gab Tutorials zu Polarization on Social Media, eine BIG Web Keynote zu Fairness in Data Analysis and Algorithms, einen Track Journalism, Misinformation and Fact Checking. Auch die erste Keynote The good web – some challenges and strategies to realise it (Luciano Floridi) und das Panel AI and the future of the Web and the Internet nahmen diesen Faden auf.

Meine Highlights der WEB Conference

© UdL / Insight-Outside / INRIA Sébastien Ferraro

Bei diesem Panel zeigten sich auch die unterschiedlichen Ansichten, Erwartungen und Befürchtungen von den „jungen Praktikern“ von Facebook, Amazon und Ebay und den „alten Hasen“ (Tim Berners-Lee und Vint Cerf): Während Vint Cerf einen bedachten Einsatz und die Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) befürwortete, konterte Kira Radinski von Ebay dies mit der Feststellung, dass KI noch so unausgereift ist, dass ihre Hauptsorge sei, ob die Systeme eine Banane von einem Elefanten unterscheiden können. Wobei sich dann die Frage der Regulierung doch eigentlich um so dringender stellen sollte. Tim Berners-Lee betonte hier einmal mehr, dass Datenschutz wichtig sei, und beglückwünschte die Europäer zur DSGVO.

Im Tutorial Web Tracking Technologies and Protection Mechanisms wurde ein Überblick über die verschiedenen Techniken gegeben, wie Nutzer im Web auch ohne Cookies und über Gerätegrenzen hinweg getrackt werden können und welche Schutzmöglichkeiten es gibt – leider nicht sehr viele. Spannend waren auch die Beiträge beim Re-Coding Black Mirror Workshop, wo es hieß, die Geschichten dieser BBC Serie zum Guten zu wenden.

In Betrayed by Your Dashboard: Discovering Malicious Campaigns via Web Analytics wurde gezeigt, wie mit Hilfe der User-IDs von Analytics-Werkzeugen wie Google Analytics unbekannte Malware-, insbesonder Phishing-Webseiten, entdeckt werden können. I’m Listening to your Location! Inferring User Location with Acoustic Side Channel zeigte einen Weg, wie ENF-Signale aus VoIP-Gesprächen dazu genutzt werden können, die Aufenthaltsorte der Gesprächsteilnehmer zu bestimmen. Einen globalen Wirtschaftszweig, der nicht so stark von der Digitalisierung erfasst wird, haben die Autoren von Platform Criminalism: The ‘Last-Mile’ Geography of the Darknet Market Supply Chain unter die Lupe genommen und konnten feststellen, dass beim Drogenhandel nur die „Letzte Meile“ über das DarkWeb abgewickelt wird, worüber auch schon einschlägige Medien berichtet haben.

Ob und wie HTTP/2 das Web verschnellert, wurde in HTTP/2 Prioritization and its Impact on Web Performance untersucht und eine Methode, um die richtige Schuhgröße auszuwählen, wurde in Bayesian Models for Product Size Recommendations vorgestellt.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Austausch mit den anderen Besuchern während der Poster-Sessions, Mittagessen und Kaffeepausen: von Interpol-Mitarbeitern, über Stanford-Forscher bis zum CDO von Voice of America konnte ich mich mit vielen interessanten Menschen austauschen.

© UdL / Insight-Outside / INRIA Sébastien Ferraro

Erwähnt werden muss natürlich auch das hervorragende Essen während der Mittagspausen und das Gala-Dinner in den Halles de Lyon – Paul Bocuse, das keine Wünsche offen ließ.

The WEB Conference: spannende Menschen, tolle Ideen

Die Konferenz war also ein voller Erfolg. Ich bin mit einem rauchenden Kopf und vielen Ideen nach Hause gefahren. Die Erweiterung des Programms ist nur folgerichtig. Die Qualität der technischen Vorträge erschien mir ein wenig schlechter als bei der WWW2018, was daran liegen mag, dass die Konferenz für viele Vortragende eine weite Reise bedeutete. Denn ein Großteil der Vorträge wurde von Forscherinnen aus China und den USA gehalten und die Industriepartner kamen ausschließlich aus diesen Regionen. Ob die EU KI-Initiative daran etwas ändern wird, wie von Mounir Mahjoubi im Anschluss an das AI Panel erwartet wurde, wird sich zeigen. Genauso spannend ist die Frage, in welche Richtung sich das Web in Zukunft entwickeln wird. Das Motto der nächsten Ausgabe 2019 in San Francisco ist „We Need a New Web“ ­– es bleibt spannend.

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