Web Summit 2018 – wo sich die Tech-Welt trifft

Als Stefan und ich gefragt wurden, ob wir Lust hätten, zum diesjährigen Web Summit zu fahren, mussten wir beide nicht lange nachdenken und haben natürlich sofort zugesagt. Wer würde vier Tage Web Summit, Lissabon, Swag und Pastéis de Nata schon ausschlagen? Für alle Interessierten folgt hier eine kleine Zusammenfassung unseres Kurztrips zur “largest tech conference in the world”.

Was ist der Web Summit?

Der Web Summit ist – wie der Name schon sagt – ein Gipfel, bei dem sich alle treffen, die sowohl primär als auch peripher etwas mit dem World Wide Web zu tun haben, um die Zukunft eben dessen zu besprechen. Der Web Summit beschreibt sich selbst auf seiner eigenen Website so:

“At a time of great uncertainty for industry upon industry and the world itself, we gather the founders and CEOs of technology companies, fast-growing startups, policymakers and heads of state to ask a simple question: where to next?”

In dieser Hinsicht wurde tatsächlich nicht zu viel versprochen: Sowohl die “Big Five” Apple, Alphabet, Microsoft, Facebook und Amazon als auch namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Sport, Entertainment und viele mehr gaben sich beim Web Summit die Klinke in die Hand und diskutierten drei Tage darüber, welche Herausforderungen und Möglichkeiten die digitale und analoge Zukunft bietet.

Der Web Summit in Zahlen

Der Web Summit ist wie schon gesagt die größte Tech-Konferenz der Welt. Über 70.000 Besucher verwandeln Lissabon für über vier Tage in ein globalisiertes Dorf der Technikaffinen. Bei 24 Tracks und etlichen Workshops dürfte so ziemlich jeder Besucher etwas für sich finden. Die Themen reichen von Wissenschaft und Design hin zu Musik, Blockchain & Kryptowährungen und Umwelt.

Für wen ist der Web Summit?

Wie bei jeder Konferenz liegt auch beim Web Summit der Fokus auf dem Vernetzen von Individuen, Unternehmen und Interessensgruppen. Einen großen Teil nahmen hier vor allen Dingen die Startup-Präsentationen ein, bei denen am Ende auf der Main Stage auch das Startup mit dem überzeugendsten Pitch gekürt wurde. Dieses Jahr gab es gleich zwei Startups unter den drei Finalisten, die sich mit selbstfahrenden Autos beschäftigen. Die Jury kürte hierbei das Startup Wayve zum Sieger, das Publikum hingegen war eher von der Idee von lvl5 überzeugt. Das dritte Finalisten-Startup Factmata beschäftigt sich damit, Fake-News zu enttarnen, und will ein Vertrauenssiegel für Nachrichten im Internet einführen.

Der Web Summit eignet sich auch sehr gut, um einen Einblick zu bekommen, welche Themen im Moment die Welt bewegen und wo die Herausforderungen unserer Zeit liegen.

Der Web Summit ist meiner Meinung nach KEINE Entwickler-Konferenz. Es gibt zwar genug Workshops für Entwickler (zusätzlich zum FullSTK Track), um sich über die gesamte Konferenzlänge zu beschäftigen. Allerdings wäre es auch viel zu schade, nicht auch mal nach links und rechts in die anderen Themen hereinzuschauen. Bis auf die Workshops lieferten die meisten Talks eher Ideen und Anregungen als konkret anwendbares Wissen. Dies liegt bestimmt auch an der durschnittlichen Vortragslänge von ca. 20-30 Minuten.

Übergreifende Themen beim Web Summit

Zwei Themen, die immer wieder aufkamen, waren Machine Learning und das Aufkommen von immer besseren digitalen Assistenzsystem: sei es Apple’s Siri oder das persönliche Mixtape von Spotify. Es wurden grundsätzliche Diskussionen geführt, ob Maschinen kreativ sein können, aber auch konkret festgestellt, wo diese Systeme schon heute erstaunlich gute Leistung erbringen. Vor allem in Verbindung mit menschlichem Input. Es entstand für mich der Eindruck, dass das Interesse an Machine Learning und das dafür nötige Know-how immer noch sehr ungleich verteilt ist.

Meine persönlichen Favoriten

Persuasive Design: capturing our attention since 38,000 B.C (Graham McDonnel, The New York Times)

Graham McDonnel ist Creative Director bei der New York Times und zuständig für Branded Content. So verwerflich ich das Prinzip des Branded Content auch finde, war dieser Talk eine super spannende Zusammenstellung von Guidelines und Best Practices, um einen Nutzer mehr mit dem angebotenen Content interagieren zu lassen. Definitiv ein sehr kurzweiliger Talk!

People, products and jetlag: Creativity through empathy (Jens Riegelsberger, Google)

Googles Product Design & Research Director Jens Riegelsberger gab in diesem Talk einen Einblick in Googles Produktentwicklungsprozess.

Am Beispiel von Google Maps macht er klar, wie wichtig es ist, sein eigenes Produkt in der echten Welt mit echten Nutzern zu testen. Und dies nicht nur kurz vor Release, sondern am besten bevor überhaupt angefangen wird, irgendeine Planung zu machen. Die Nutzer, die bei solchen Tests mitmachen, haben so viel wertvollen Input, dass daraus sogar eigene Produkte entstanden sind, sowie Google Maps Go und Google Go.

Ein interessantes Beispiel in diesem Talk war, dass Google in regelmäßigen Abständen seine User und Entwickler zusammenbringt und dann die User den Entwicklern ihr eigenes Produkt erklären. Durch diesen Rücklaufkanal entsteht die im Titel erwähnte Empathie, die dann wiederum zu besseren Produkten führt.

Decision intelligence (Cassie Kozyrkov, Google)

Anhand eines cleveren Vergleichs erklärte Cassie Kozyrkov, was der Unterschied zwischen der Erforschung und der Anwendung von Machine Learning ist: Nur wenige Menschen wissen, wie eine Mikrowelle funktioniert geschweige denn können sie selbst eine zusammenbauen. Trotzdem weiß fast jeder, wie man eine Mikrowelle bedient und was man damit machen kann.

Die Konsequenz für den Bereich Machine Learning ist somit: Man muss nicht bis ins letzte Detail verstanden haben, wie genau das Modell, das man anwenden möchte, funktioniert. Vielmehr reicht es, eine Vorstellung davon zu haben, was man mit Machine Learning erreichen kann, und wie man überprüft ob die Ergebnisse des Modells valide sind. Eine sehr sachte und anschauliche Einführung in das Thema Machine Learning!

Fazit

Es war eine schöne Zeit in Lissabon und sowohl Stefan als auch ich konnten einiges mitnehmen, was wir vorher noch nicht wussten. Im Vergleich zur JSConf EU 2018, auf der ich dieses Jahr auch war, merkt man deutlich, dass der Web Summit auch ein klar profitorientiertes Unternehmen ist. Die Nachhaltigkeit, die in vielen Talks Thema war, ist in der tatsächlich gelebten Konferenz leider noch nicht angekommen. Auch waren viele Talks heillos überlaufen, was im Vornherein hätte klar sein müssen. Hier kann in den kommenden Jahr definitiv noch einiges verbessert werden.

Aber genug der Kritik; auf keiner anderen Konferenz ist es möglich, so viele prominente Sprecherinnen und Sprecher an einem Ort versammelt zu sehen. Der Anspruch an einen Web Summit Besuch sollte nicht sein, eine Menge neuen Fachwissens anzuhäufen, sondern mit vielen neuen Denkanstößen nach Hause zu fahren, die aus allen Themenbereichen kommen können. Wenn man mit dieser Einstellung zur Konferenz fährt, wird man von diesem Web-Gipfeltreffen garantiert nicht enttäuscht.

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