Web Summit Lissabon: Ein UX- Erlebnis mit Zukunftsvisionen

Am 5.11.2017 landeten wir im Rahmen des Web Summit in Lissabon und freuten uns auf eine spannende Woche. Wir sind sieben UX-Designerinnen und eine Projektmanagerin aus Berlin und Köln. Zusammen mit weiteren 60.000 Teilnehmern haben wir uns 3 Tage lang über Innovationen und neue Technologien informiert und uns von den ‘Stars’ der Web-Szene inspirieren lassen.

Glücklicherweise konnten wir im Rahmen der “Women in Tech” Initiative 8 von 14.000 Tickets zu einem wesentlich günstigeren Preis kaufen. Das einmalige Angebot hat dazu geführt, dass der Frauenanteil in diesem Jahr auf dem Web Summit erstmals bei 42% lag.

Schon bei der Ankunft am Flughafen waren die ersten Web Summit Schilder erkennbar. Die Registrierung für die Konferenz war unkompliziert über die App möglich. Alle U-Bahn Stationen waren mit Hinweisschildern ausgestattet und wir hatten das Gefühl, dass wirklich jeder, den wir hier trafen, an der Konferenz teilnehmen wird.

Nach einer spannenden “Opening Night” mit dem Überaschungsredner & einem der brillantesten Köpfe unserer Zeit  Stephen Hawking zum Thema AI, starteten die 24.000 Talks am nächsten Tag. In vier großen Hallen fanden auf mehr als 10 Bühnen parallel spannende Diskussionen, Keynotes und Vorträge zu unterschiedlichen Themengebieten, wie Tech & Musik, Gesundheit, Finance, Travel, Klimaschutz und Klimawandel, Future Societies, Automotive, Fashion und viele weitere, statt.

Mehr als 1.200 Sprecher, darunter bekannte Persönlichkeiten wie der UNO- Generalsekretär António Guterres, die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, der französische Ex-Präsident François Hollande, der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore, Wladimir Klitschko und Wyclef Jean, diskutierten über den aktuellen Einfluss neuer Technologien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft, Kultur, Umwelt, Wirtschaft und Politik- alles unter einem wissenschaftlichen Gesichtspunkt und ohne Marketing- Sprech.

Sich bei dem vielfältigen Themenangebot zu entscheiden, fiel uns allen schwer. Die Web Summit App ermöglichte es, unsere persönlichen Zeitpläne für die einzelnen Tage zu entwerfen. Wir markierten uns die Vorträge und Diskussionen, die wir sehen wollten. Da es dennoch Zeitkonflikte gab, haben wir uns zwischen den Talks aufgeteilt und hinterher einander berichtet, Notizen ausgetauscht und Fotos gezeigt. Wie gut, dass wir zu acht auf der Konferenz waren und dadurch mehrere Talks gleichzeitig besuchen konnten. Somit haben wir einen umfassenden Überblick über die neuesten Trends in der Tech-Szene erhalten, Inspirationen bekommen und am Abend nach dem Konferenztag spannende Diskussionen geführt.

Das Format von jeweils 20-30 minütigen Talks ermöglichte leider keine große Detailtiefe. Oft wurden interessante Gedanken nur ‘angeteasert’ und wir hätten gerne weitere Informationen erhalten oder Fragen an die Redner gestellt. Aus diesem Grunde haben wir viele Themen und Diskussionspunkte gesammelt, über die wir uns und euch nun detaillierter berichten. Einige der Talks werden im weiteren Verlauf des Blogartikel als unsere Highlights vorgestellt. Weitere Artikel werden in den nächsten Wochen folgen.

Mitterweile sind die Aufzeichnungen einzelner Keynotes unter https://www.facebook.com/pg/WebSummitHQ/videos online verfügbar.

Natürlich können die Eindrücke vor Ort dadurch nicht ersetzt werden. Das Erlebnis an einer so bedeutenden Web-Konferenz teilzunehmen und so viele bekannte Persönlichkeiten live zu erleben, war für uns einmalig.

Es hat uns allen großen Spaß gemacht und wir freuen uns auf den Web Summit 2018 im wunderschönen Lissabon mit Sonne, Meer und Pasteis de Nata.

Und jetzt viel Freude beim Lesen unserer Highlights!

 

Far from Home: Tech and Migrants

Mike Butcher, Editor Tech Crunch
Djamel Agaoua, CEO Viber
Ismael Ahmed, Founder World Remit
Alyssa Newcomb; tech Editor NBC News

„People have always been on the move“ (Ismael Ahmed)

Die Aus-und Einwanderung einzelner Bevölkerungsgruppen begleitet die menschliche Geschichte bereits seit Jahrhunderten. In den kommenden Jahren werden mindestens 20 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels den afrikanischen Kontinent verlassen müssen.

Die Herausforderungen der Migranten / Flüchtlinge bestehen darin, nicht nur neue Sprachen zu erlernen, sondern sich in fremden Kulturen zurechtzufinden. Um dies zu erleichtern und die Integration zu fördern, bieten Plattformen wie z.B. Viber kostenlose Kommunikationsdienste an. Es ermöglicht zum Einen den Austausch mit Freunden und der Familie und zum Anderen das „Netzwerken“ mit potentiellen Arbeitgebern, Schulen, Kindergärten oder Universitäten.

Unternehmen wie WorldRemit erleichtern zudem gebührenlose Auslandsüberweisungen an Familienangehörige über eine eigens dafür entwickelte App. Der Gang zu den Banken und der Geldwechsel über sogenannte „Mittelsmänner“ fällt weg und der Geldtransfer wird somit wesentlich schneller.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Zuge der Integration ist es, das berufliche Potential und die Qualifikationen jedes Einzelnen zu erkennen und zu nutzen. Flüchtlinge sollten nicht nur „Burger braten“ oder „Toiletten putzen“, denn was ist der Unterschied zwischen einem „digitalen Nomaden“ und einem Flüchtling mit einem Smartphone? – Es gibt KEINEN.  Die Plattform Tech Fugees bietet Migranten / Flüchtlingen eine Möglichkeit sich beruflich weiterzuentwickeln und zu integrieren, denn  „Good entrepreneurs are people that have nothing“. (Djamel Agaoua)

Nov 8 / 11:20 / Future Societies

 

Uber’s flying cars

Jeff Holden (CPO, Uber)

Uber plant, ab 2020 u.a. in Los Angeles die ersten Flugtaxen anzubieten. Basierend auf der Bauweise eines Helikopters wurden von Uber Flugtaxen entworfen, welche nicht wie ein klassischer Helikopter über einen, sondern über mehrere kleine Rotoren verfügen, wodurch die Geräuschentwicklung deutlicher reduziert wird. Außerdem sollen diese Flugtaxen ausschließlich elektrisch angetrieben werden und mit Hochleistungsakkus ausgestattet sein, welche nur wenige Minuten (3-5) zur Aufladung benötigen. Diese Ladezeit entspricht etwa der Umsteigezeit der Passagiere, wodurch Ladepausen überflüssig werden. Der Preis für einen Flug, im Flugtaxi soll den eines gewöhnlichen Taxis nicht überschreiten.

Ein äußerst spannender Vortrag über ein realitätsnahes Zukunftsprojekt. Das Konzept, das Uber mit den “flying cars” präsentierte, wirkte sehr durchdacht und – 3 Jahre vor Ausrollung – bereits in einem ausgereiften Entwicklungsstand.

Vortrag hier anschauen

Nov 8 / 10:30 / Centre Stage

 

A user-centered design approach to driverless cars

Tim Smith (Principal of Design, ustwo)

ustwo ist der Meinung, dass autonome Fahrzeuge von Grund auf neu überdacht werden müssen, wenn ein Produkt entstehen soll, welches Menschen mit Begeisterung nutzen wollen. Denn es geht – anders als bei herkömmlichen Autos – weniger um das Auto als Transportmittel, sondern vielmehr um das Fahrerlebnis eines selbstfahrenden Autos.

Welche Ansprüche, Ängste und Sicherheitsbedenken Menschen an das neue Konzept des autonomen Fahrens haben, wurde von ustwo mit Hilfe des User Centered Design Ansatzes erforscht. Durch Interviews und Beobachtungen wurden die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse von Menschen aller Altersklassen aufgedeckt und gemeinsame Erkenntnisse erarbeitet. Ein interessantes Ergebnis war zum Beispiel, dass es für den Mensch sehr ungewohnt ist, wenn ein Auto keine Seitenspiegel hat. Dadurch weiß dieser zuerst nicht, wo vorne ist und wo er einsteigen soll. Auch spielte die Kommunikation mit dem Fahrer in den Interviews eine große Rolle. Der Smalltalk, der zwischen Taxifahrer und Insassen geführt wird, ist für viele Menschen ein elementarer Bestandteil des Erlebnisses Taxi zu fahren.

Zusätzlich wurde das Vertrauen, das der Technologie entgegengebracht werden muss, diskutiert und Vergleiche erstellt wie: “Du würdest ja auch in kein Flugzeug ohne Piloten einsteigen!”. Eine weitere spannende Erkenntnis war, dass sich Menschen wohler fühlen mit der Aussage, dass das Auto durch AI gesteuert wird, als wenn gesagt wird “das Auto fährt fahrerlos”.

Als Ergebnis präsentierte ustwo einen 3D Prototyp eines autonomen Autos mit großen Fenstern zur Orientierungshilfe, vielen Sitzgelegenheiten im Innenraum und der Möglichkeit, über einen Avatar mit dem Auto zu kommunizieren.

Vortrag hier anschauen

Nov 9 / 15:15 / AutoTech / TalkRobot

 

Have we lost our sense of fun and play?

Branko Milutinović (Nordeus)
Rob Lowe (Lego Group)
Allison Wagner (Olympic Champion)
Alice-Azania Jarvis (Es Magazine)

Führungskräfte aus der Gaming Industrie und Lego diskutieren zusammen mit der Olympionikin Allison Wagner über die Art und Weise, wie sich die Erholung im digitalen Zeitalter verändert hat. Die Debatte wurde mit der Frage eröffnet: “Is eSport comparable to real sport? Is that sport?”

Der allgemeine Standpunkt ist, dass Videospiele bei vielen Nutzern Glücksgefühle hervorrufen. Nicht nur entfliehen sie damit dem Alltag, nein, sie fühlen sich auch wie Gewinner. Natürlich kann dies körperliche Aktivitäten nicht ersetzen. Gerade bei Kindern hat die Gaming Industrie eine hohe Verantwortung in Bezug auf Suchtprävention und Bewegung.

Die Rolle neuer Technologien im Bereich eSports/ Gaming muss also psychologischen und körperlichen Nutzen für die User haben. Für Erwachsene sollte dies zu mehr körperlicher Aktivität führen oder als Denksport genutzt werden. Förderlich und wohltuend sollte es für Kinder sein. Brands sollten darauf achten, Spiele zu erschaffen, die Spaß machen und die die Kreativität steigern und sich positiv auf das Leben auswirken.

Zukünftig werden wir mehr Zeit zum Spielen und für andere Aktivitäten haben, da das Arbeitspensum durch neue Technologien abnehmen wird. „ We will enjoy life”, war der Schlusssatz bei dieser Debatte.

 

Nico, Mandy, Hanne, Silvia, Maria, Laura, Annika und Vera aus dem Sevenval UX- und PM-Team

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