Woodhack 2017 – Wie ich lernte, einen Regenbogen zu bauen

Was gibt es Besseres, als das Angebot, seine zukünftigen Kollegen in netter Runde bei einem Hackathon im Wald mit Coding und ein oder zwei Bierchen kennenzulernen? Nicht viel und deswegen sagte ich sofort zu, als Martin, unser Head of HR, mich letztes Jahr im Mai einlud, zum Sevenval Hackathon mitzukommen. Denn obwohl mein Vertrag schon unterschrieben war, würde ich erst im September anfangen zu arbeiten. Der Woodhack sollte also das Event sein, an dem ich meine künftigen Kollegen kennenlernen sollte.

An einem Donnerstag Ende Juni begab ich mich dann ziemlich nervös ins Kölner Office, um mit den neuen Kollegen gemeinsam in das Hotel Grashof bei Fulda zu fahren. Nervös war ich, weil ich ja niemanden kannte und nicht so richtig wusste, was mich erwartet. Die Kollegen haben mich von Anfang an herzlich willkommen geheißen. Und die blauen Woodhack-Shirts haben mir geholfen, die Kollegen von den anderen Gästen zu unterscheiden.

Nach einem umfangreichen Abendbrot begann die Pitch-Phase. In der konnte jeder seine Ideen vorstellen, um Leute zur Umsetzung anzuwerben. Zwei Projekte von Jörn hatten es mir angetan, zum einen der Bandname-Generator und zum anderen ein browserbasiertes Spiel in Form eines Anmeldeformulars, das die so ziemlich mieseste Usability bieten sollte, die man sich vorstellen kann. Um diese beiden Themen bildete sich eine fünfköpfige Gruppe. Gemeinsam brainstormten wir unsere Ideen und schnell ging es in die Entwicklung. Schließlich hatten wir nur bis zum nächsten Abend, Zeit all unsere Ideen umzusetzen.

Gemeinsam mit Erik richtete ich meinen Laptop für das browserbasierte Spiel ein. So konnte ich mich auch direkt mit den Coding Standards von Sevenval vertraut machen. Die Zusammenarbeit im Team lief von Anfang an problemlos. Ich merkte, dass meine Anforderungen an ein Projekt denen der Kollegen entsprachen. Schon damit war der Woodhack für mich ein voller Erfolg. Ich wusste, ich habe mich für die richtige Firma entschieden.

Schnell hatten Erik und ich für unser Anmeldeformular die erste Seite stehen. Jedes Usability-Problem, dass uns in unserer Historie begegnet ist, haben wir eingebaut. Es ist erstaunlich schwierig, etwas zu bauen, von dem man weiß, dass es eigentlich falsch ist. Aber sich einfach mal austoben zu können, hat seinen Reiz. So haben wir über CSS einen animierten Hintergrund in Regenbogenfarben gebaut, den wir einfach überall einsetzten. Diese Spielerei setzen wir im Alltag leider viel zu selten ein, aber allein der Umstand, mit CSS eine farbbasierende Animation in zehn Zeilen Code bauen zu können, die einfach für jedes HTML-Element funktioniert, ist einfach klasse, Comic Sans war die perfekte Schrift für unser Formular und viele weitere Furchtbarkeiten, wie gut versteckte Checkboxen oder ungenaue Fehlermeldungen.

Irgendwann gegen vier Uhr morgens drehte sich dann aber doch langsam der Code vor meinen Augen und ich ging schlafen. Immerhin hatten wir am nächsten Tag noch bis 18 Uhr Zeit, um fertig zu werden. Nach wenigen Stunden Schlaf saßen wir alle mit kleinen Augen beim Frühstück. Doch man spürte die Energie. Jeder wollte so schnell wie möglich an seinem Projekt weiterarbeiten. Diese Leidenschaft für die Arbeit und das Projekt haben mich von Anfang an begeistert. Etwa 40 Leute, die sich gegenseitig helfen, unterstützen und anspornen, tolle Sachen zu entwickeln. So muss ein Job sein.

Viel zu schnell verging die Zeit, bis die Ergebnisse am Freitagabend vorgestellt wurden. Von den vielen Usability-Todsünden, die wir im Kopf hatten, haben wir in der Kürze der Zeit nur ein paar umsetzen können. Dennoch konnten wir stolz sein auf unseren „Signup from Hell“ und wir freuten uns, den Kollegen das Ergebnis zu präsentieren. Am Ende haben wir ein mehrseitiges Formular gebaut, das der User so schnell wie möglich ausfüllen musste. Dabei wurde die ganze Zeit ein Timer angezeigt, um das Stresslevel zu erhöhen. Zwei Freiwillige stellten sich der Herausforderung. Leider reichte am Ende für beide die Zeit nicht mehr. Das Rätsel wurde dann doch etwas zu knifflig, hat aber allen Zuschauern und auch den Freiwilligen am Ende viel Spaß gemacht.

Nach der Präsentation wurde von allen Teilnehmern das beste Projekt gekürt und obwohl es viele technische Projekte mit tollen Ergebnissen gab, gewann haushoch und verdient ein Stop-Motion-Video, das die Benefits von Sevenval anschaulich machte. Es wurden Krönchen für die Sieger verteilt und nach dem Gruppenfoto gab es das verdiente Bier nach getaner Arbeit. Nun hatte ich Zeit, die Kollegen persönlicher kennenzulernen. Bis spät in die Nacht hinein wurde geplaudert, gegessen und getrunken. Obwohl wir alle die Nacht zuvor nur wenige Stunden geschlafen hatten, konnte sich keiner so richtig losreißen. Ich glaube, das ist das Woodhack-Gefühl. Am nächsten Morgen sollte es nämlich wieder zurück in die richtige Welt gehen.

Rückblickend ist der Hackathon wie ein kleiner Marathon. Innerhalb von anderthalb Tagen versucht man die vierzig Stunden so gut wie möglich zu nutzen, um sein Projekt zu einem tollen Ergebnis zu bringen. Man teilt sich seine Zeit selbst ein und wenn man richtig Feuer gefangen hat, passiert es auch, dass man vergisst, dass man schon längst schlafen gehen wollte. Das führt zu viel zu wenig Schlaf, was dann zu verrückten Ideen führt – und am Ende hat man einen Regenbogen. Ich freue mich schon jetzt auf den Woodhack 2018, wo ich vielleicht wieder einen Regenbogen baue, oder etwas ganz anderes.

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