Digital Leadership Summit 2018: Der Mensch im Zentrum der Digitalisierung

dls2018 digitalisierung konferenz

Bereits zum dritten Mal trafen sich am 21. Juni Experten und Führungskräfte aus Unternehmen in Köln zum „Digital Leadership Summit“. Miriam Wohlfarth war für Sevenval dabei und berichtet im Blog, welche Erkenntnisse sie von der Veranstaltung mitgenommen hat.

Beim Digital Leadership Summit ging es auch 2018 wieder um innovative neue Ansätze für Führung und Organisation. Den passenden Rahmen bot das helle und moderne Ambiente der Trinitatiskirche in Köln. Gemeinsam mit der Veranstalterin, der Expertin für Personalentwicklung Ursula Vranken diskutierten wir mit Experten aus Marktforschung, Wissenschaft und Konzernwelt unterschiedlicher Branchen übers „Machen“ im digitalen Zeitalter.

Die Keynote von Andera Gadeib

Die erste Keynote gab Andera Gadeib, CEO des internationalen Marktforschungsinstituts Dialego AG. Sie präsentierte ihre Erfahrung mit „kunden- und mitarbeiterzentrierten Unternehmen“. Ihre zentrale Frage: Warum ist es so wichtig, den Kunden besonders in der ersten Phase der Produktentwicklung in den Fokus zu stellen?

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Ideenfindung und Konzeption sind ein langer Prozess (50% der gesamten Entwicklungszeit). Zugleich ist das aber auch die Phase, in der am meisten ausprobiert und getestet werden kann – denn in dieser Zeit fallen lediglich 6% der Gesamtkosten an. Umso wichtiger sei es, so Gadeib, genau dann den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen: „Denn wir wollen die richtigen Dinge umsetzen, um die höchste Effektivität zu erzielen.” In der zweiten Projektphase (F&E, Entwicklung und Launch) steigt der Kostenblock dann signifikant an, so dass nun die Effizienzsteigerung in den Mittelpunkt rückt: Die richtigen Dinge richtig umzusetzen sei jetzt das oberste Ziel, so Gadeib.

Keine Frage, die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle und Produkte, sondern auch signifikant die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Neue Mitarbeiterzentriertheit bedeutet oft auch eine ganz neue Kultur, also die Haltung der Menschen in und zu einem Unternehmen. Dabei kann das Unternehmen dem digitalen Wandel und der damit einhergehenden Organisationsveränderung entweder mit Offenheit begegnen – oder mit einem Verharren im Silo-Denken.

Für eine innovativ, offene und kundenzentrierte Kultur müsse der Mitarbeiter aktiv mehr Teilhabe wollen und Verantwortung und Herausforderung neu lernen. Denn: „Das Silicon Valley kann nicht einfach exportiert werden, es handelt sich hier um ein Mindset, das verankert sein muss“, so Gadeib.

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Wie aber kann ein digitales Mindset gelehrt und gelernt werden? Gadeib schlägt konkret vor:

  1. Wir müssen uns die Frage stellen: Wie lasse ich das inkrementelle Denken hinter mir? Wie denke ich “in Groß”?
  2. Sag’ zwei mal “Ja” und nur ein mal “Ja, aber”.
  3. Raus aus der Komfortzone!
  4. Ein Schnellboot aufsetzen – aber nicht im Sinne eines Sprints, sondern im Sinne eines Marathons. Denn digitale Transformation braucht Ressourcen, Budget, …

Auch das gehört dazu: Scheitern ist okay und ein natürlicher Teil des Lernprozesses. Man muss mutig vorangehen und darf dabei nicht in Quartalsberichten denken. Einzige Bedingung ist die „Kundenzentrierung“. Man muss wissen, auf welche Themen man fokussiert. Was kommt auf die Agenda und in welcher Priorität? Nicht zuletzt muss man auch den Mut aufbringen, einen falschen Weg zu beenden und ganz neu zu überlegen.

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Abschließend stellte Gadeib die Frage, wann eine Innovation erfolgreich sei – und gab die Antworten dem Publikum gleich selbst mit auf den Weg:

  1. Eine Innovation muss zur Marke passen (Brand Fit)
  2. Sie muss relevanten Nutzen für die Kunden schaffen
  3. Kundenfeedback muss erkennbar integriert sein
  4. Und nicht zuletzt: Echte Innovation kostet Zeit

Die Keynote von Dr. Carsten Linz

Carsten Linz ist Autor des Buches „Radical Business Transformation“ und Global Head des SAP Center for Digital Leadership. Er begann seinen Vortrag mit einer klaren Forderung: „Der CEO selbst muss die Verantwortung für die Digitalisierung übernehmen.“ Denn New Leadership bestehe laut Linz aus digitaler, unternehmerischer und transformativer Führung:

„Sie brauchen keine Digital Strategie – sondern eine Business Strategie, die die Digitalisierung integriert hat“, so Linz. Dabei übernimmt laut Linz der Digital Transformation Officer nur das Management des Change-Prozesses. Es handele sich also eigentlich nur um eine temporäre Stelle. Mit einem Augenzwinkern fügte Linz hinzu: „Der Digital Transformation Officer sollte deshalb darauf achten, Verantwortung für das Geschäft zu übernehmen, ansonsten ist er nach dem Change-Prozess auch ganz schnell wieder weg.“

Linz stellte außerdem klar: Unternehmen müssten „nicht die Vergangenheit digitalisieren, sondern für die Zukunft innovieren, denn jedes Unternehmen wird ein Softwareunternehmen.” Früher war Service schlecht skalierbar, es wurde vor allem in Produkten gedacht. Heute hingegen sind digitale Services einfacher zu skalieren. Wichtig ist dabei, immer an die wahren Bedürfnisse der Kette “B2B2C2-Endkunde” zu denken.

Beim Thema Innovation ging Linz vor allem auf die Kostenvorteile der bis heute entwickelten Technologien ein: „Heute ein Startup zu gründen ist viel einfacher und kostengünstiger als in der Vergangenheit. Startups beginnen heute bei 70% und setzen ihr Business direkt auf einer skalierbaren Cloud auf.“ Die volle Fokussierung auf den (End-)Kunden sei nötig – und heute auch möglich –, um das Geschäftsmodell zu optimieren. Ein Startup könne es so schnell mit den großen Playern aufnehmen.

Zum Schluss ging Linz auf den eigentlichen Transformationsprozess innerhalb eines Unternehmens ein, und stellte die Frage: Wie kann die digitale Transformation ganzheitlich gelingen? Er beschrieb dabei Veränderung als gemeinsame Bewegung (“Movement”): Nur, wenn einer anfängt und weitere folgen, werden sich mehr und mehr Anhänger für den Wandel begeistern, bis sich schließlich das gesamte Unternehmen in eine Richtung bewegt.

Die Keynote von Ranga Yogeshwar

„Zukunft verändert uns, wir haben zum ersten Mal eine gemeinsame globale Grammatik“, so begann der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar seinen Vortrag „Nächste Ausfahrt Zukunft – Geschichten aus einer Welt im Wandel“. Seine These: Die Art und Weise wie wir kommunizieren ändere sich radikal. Als Beispiel nannte er den Trend der „Silence Parties“, bei denen sich Menschen über soziale Medien verabreden und mit Kopfhörern und eigener Musik zusammen „still“ feiern. „Wir müssen Kommunikation heute ganz neu verstehen“, so Yogeshwar.

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Dabei ändere sich nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Art und Weise, wie wir Dinge herstellen. „Früher bereitet Mutti einen perfekt gedeckten Tisch mit fertig gekochtem Essen vor, bevor die Gäste eintrafen. Der Fokus lag auf dem Produkt Essen. Heute leben wir in einer Zeit der Prozessorientierung – das heißt, ich lade meine Freunde zum gemeinsamen Kochen ein”, sagte Yogeshwar.

Zum Thema Digitalisierung und Innovation hat er eine klare Position: “Digitalisierung als Geschäftsmodell ist heute ganz einfach: Gehen Sie durchs Leben, fragen Sie sich, was Sie nervt, und machen Sie es digital. Es wird garantiert ein Erfolg. Dabei heißt Innovation: Ich will. Und Nicht: Ich muss. Man hört immer, wir MÜSSEN innovativ sein. Das ist falsch. Wir müssen innovativ sein WOLLEN! Und wann ist etwas innovativ? Wenn es menschenzentriert ist, und nur dann. Das ist The WE Society.”

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Zur Nutzung neuronaler Netzwerke und KI erklärte Yogeshwar, dass Maschinen seit 2015 in etlichen Bereichen „besser“ seien als Menschen, etwa beim Erkennen von Bildern oder Zahlen. Gleich im Anschluss zeigte er das aktuell wohl prominenteste Beispiel: Der Google Sprachassistent vereinbart telefonisch einen Friseur-Termin, ohne dass der Gesprächspartner merkt, dass er mit einem Computer spricht. Dabei warnte der Wissenschaftler: „Täuschung darf nicht das Geschäftsmodell sein.“

„Heute programmieren Daten das neuronale Netz, wir verstehen aber selber nicht mehr, wie das geschieht. Jedoch ist es die Kausalität, die unsere Demokratie ausmacht”, so Yogeshwar.

Gegen Ende seines Vortrags ging Yogeshwar erneut auf das Thema Ethik ein. Dabei forderte er: „Ersetze kundenzentriert durch menschenzentriert und vielleicht leben wir zukünftig in einer besseren Welt? Denn wir müssen an ALLE denken.“

Die Keynote von Eva Nöll

Gutes Arbeiten brauche ein transparentes Wertesystem im Unternehmen, das alle mittragen, sagte Eva Nöll, VP HR bei MisterSpex, in Ihrem Vortrag über „Digital Leadership – neue Konzepte der Führung“.

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Das sei bei MisterSpex deshalb gemeinsam mit den Mitarbeitern verhandelt worden und werde alle paar Monate wieder abgeglichen. Dabei müssten die Werte aus dem Team kommen. Der schnell wachsende Online-Optiker startete vor zehn Jahren digital und rollte das Geschäft nach und nach über ein Netzwerk mit stationären Optikern als Partner auch offline aus. Heute hat MisterSpex 450 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro.

Die Keynote von Dr. Reza Moussavian

„Von Yoga bis Bots“ lautete der Vortrag des SVP Digital & Innovation (HR) der Deutschen Telekom, Reza Moussavian.

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Er gab Einblick in einige spannende Anwendungsbeispiele für die digitale Transformation der Telekom. Moussavian versucht, die Transformation über das Schaffen sichtbarer „Erlebnisse“ im gesamten Unternehmen konkret erlebbar zu machen: von digitaler Führungskraft-Entwicklung über Design Thinking bis zu Onboarding-Prozessen, die über Trello abgewickelt werden. Moussavians Strategie dabei: Aktiv das Verhalten verändern, statt auf ein Commitment des Topmanagements zu warten.

Die Keynote von Joachim Skura

Gegen Ende der Veranstaltung erklärte schließlich Joachim Skura, Strategy Director Human Capital Management bei Oracle, dass große Innovationen nicht aus der statistischen Mitte kämen, sondern von den chaotischen Rändern.

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In der jüngeren Geschichte könnten Innovatoren wie die Gründer von Apple und Google oder auch die Linux-Community um Linus Torvalds als Beispiele herhalten.

Mein Fazit: Der Mensch muss ins Zentrum

Digitale Transformation erfordert ein neues Denken und permanentes “Über-den-Tellerrand-schauen”. Bei der dritten Ausgabe des Digital Leadership Summit stand genau das im Mittelpunkt, das zeigte schon die Auswahl der Speaker. Als Gäste haben wir unterschiedlichste Blickwinkel auf die Digitalisierung kennengelernt, und dabei feststellen können, dass erfreulicherweise immer der Mensch im Mittelpunkt steht.

Digitale Transformation, so lautet mein persönliches Fazit, muss den Fokus auf den Menschen legen, um erfolgreich zu sein. Denn neue Technologie allein schafft keine ganzheitliche Veränderung.

 

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Miriam Wohlfarth leitet seit 2016 das Marketing bei Sevenval Technologies. Ihre Leidenschaft für die digitale Welt hat sie zum Beruf gemacht: Ob in der Startup-Szene oder bei internationalen Unternehmen – Miriam inspiriert Menschen dazu, eine digitale Denkweise zu entwickeln. Über Technologie, Business Innovation und Marketing schreibt sie auch auf ihrem Twitter-Account @MiriWobo.

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