PropTech: Über den Erfolg entscheidet das Frontend

proptech immobilien frontend

Neue Technologien erobern die Immobilienbranche im Sturm. Doch über ihren Erfolg entscheidet nicht die gute Idee allein – der Mehrwert für den Nutzer erschließt sich vor allem über das Interface.

Die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft nimmt an Fahrt auf. Von der Wohnungssuche bis zum Smart Home sind bereits heute etliche digitale Lösungen verfügbar, die bei Planung, Bewirtschaftung und Nutzung von Immobilien unterstützen. Immer schneller erobern zudem neue Innovationen den Markt. Eigentümer, Makler, Mieter und Käufer haben freie Wahl zwischen etlichen Anbietern und Technologien. Hunderte zumeist junge Unternehmen versuchen sich an der Digitalisierung des Wohnens – allein in Deutschland waren im zweiten Quartal 2018 58 PropTech-Startups aktiv. Sie treten in einen Markt ein, der mit über 300 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung im Jahr zu den größten und wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes gehört und Einfallstore für “Disruption” bietet.

Die Branche steht vor grundlegenden Veränderungen. Regulatorische Eingriffe und neue Technologien sind dabei, altbewährte Geschäftsmodelle umzukrempeln. Etwa beim Bestellerprinzip: Seit 2015 müssen die Maklerkosten vom Auftraggeber übernommen werden und nicht mehr vom Mieter. Vor allem in Regionen mit knappem Wohnraum verzichten seitdem immer mehr Vermieter auf einen Makler. Online-Portale für die Wohnungssuche (je nach Perspektive: Mietersuche) übernehmen die Vermittlung zumeist schneller und günstiger. Diese Entwicklung ist aus anderen Branchen bekannt und betrifft vor allem den B2C-Bereich: Vergleichsportale wirken auch massiv auf die Versicherungswirtschaft ein, und bei der Urlaubsplanung haben Smartphones längst das herkömmliche Reisebüro abgelöst.

Digitale Beratung und optimierte Abschlussstrecken ersetzen den menschlichen Vermittler rasant. Damit verschiebt sich die Marktmacht von den eigentlichen Anbietern der Produkte hin zu denen, die den Marktplatz bereitstellen und das Nutzerinterface (das “Frontend”) beherrschen, den digitalen Kontaktpunkt zum Kunden. Das kann zu signifikanten Abschöpfungen der neuen Player am alten Markt führen, bietet aber auch ganz neue Chancen für alteingesessene Unternehmen. Denn in der digitalen Welt kann ein Immobilienentwickler mit geringem Aufwand zusätzlich Makler und Liegenschaftsverwalter sein oder Home Services und Smart Home-Integrationen aus einer Hand anbieten.

Der Schlüssel zum Erfolg ist das Frontend

Die deutsche Immobilienwirtschaft versucht sich deshalb gezielt selber an der Digitalisierung, getrieben und inspiriert von PropTech-Startups. Um sich als innovativer Partner zu präsentieren, arbeiten viele Immobilienentwickler daran, ihre Liegenschaften mit neuen digitalen Services auszurüsten und diese in einem nutzerfreundlichen Frontend zu vereinen. Denn die direkte Schnittstelle zum Kunden besitzt strategische Bedeutung: Sie ist die Grundlage für neue Betreiber- und Geschäftsmodelle mit einem positiven Erlebnis für die Nutzer. Und darauf kommt es in der digitalen Welt an, wenn ein Produkt erfolgreich sein soll.

Für den Erfolg muss eine solche Software einiges leisten können: Passende Serviceleistungen rund um die Haus- und Mieterverwaltung in Echtzeit – per Website und Smartphone-App. Zugleich sollte sie möglichst vielen Anbietern und Endanwendern offen stehen (Mandantenfähigkeit), um nicht in einer Nische zu bleiben.

Einige Beispiele:

  • Hausmeisterservice: Der Mieter meldet einen Schaden über die App, der Hausmeister erhält automatisch den Reparaturauftrag und meldet die Ausführung ebenfalls digital zurück.
  • Zugangskontrolle: Vor allem bei großen Objekten mit häufigem Mieterwechsel ist eine digitale Schließanlage weniger aufwändig als herkömmliche wartungsintensive Schließanlagen.
  • Kommunikation: Ein “Social Network” für die Bewohner, das auch die Hausverwaltung einbezieht, löst das berühmte “Schwarze Brett” ab – auf das ohnehin kaum jemand schaut.
  • Ökologie: In neu gebauten Objekten sind auch Energieversorgung und Heizungsanlage vernetzt. So können Bewohner ihren Verbrauch in Echtzeit ablesen, steuern und vom Betreiber für umweltbewusstes Verhalten belohnt werden.
  • Sicherheit: Vernetzte Rauchmelder und Messgeräte etwa für Kohlenstoffmonoxid warnen nicht mehr nur akustisch im direkten Umfeld, sondern alarmieren auch die Hausverwaltung oder Rettungsdienste.

Diese und viele weitere Lösungen existieren bereits und es kommen laufend neue Ideen hinzu. Die gemeinsame Vision vieler Branchengrößen ist es, aus den neuen digitalen Kontaktpunkten zwischen Anbieter und Nutzer ein Ökosystem zu entwickeln, das alle Bereiche optimal abdeckt. Eine Art “Schweizer Taschenmesser” für alle Beteiligten von Eigentümer über Verwalter und Mieter bis zum Hausmeister. Wer mit solch einer umfassenden Lösung zuerst am Markt ist, hat gute Chancen, den Standard für die gesamte Branche zu setzen.

Zur Blog-Startseite