Vergleich der Google-Algorithmen

Googles „mobile friendly“-Update hat stärkere Auswirkungen als Panda oder Penguin

“The April 21st update will have more of an impact on Google’s search results than the Google Panda update and the Google Penguin update did.”

Zineb Ait Bahaji,
Webmaster Trends Analyst for Google

Google-Panda-and-Penguin

picture: seo-hacker.com

Bis zu 500 Mal pro Jahr ändert Google seine Suchalgorithmen. Während die meisten Aktualisierungen nur kleine Modifikationen beinhalten, dessen Auswirkungen kaum merkbar sind, führen andere Updates tiefgreifende Änderungen mit sich. Die großen Algorithmus-Updates tragen unter Anderem Tiernamen wie „Panda“, „Penguin“ und „Hummingbird“. Sie klingen harmlos, hier verstecken sich jedoch umfassende Konsequenzen für Webseitenbetreiber.

Reaktion auf Linksfarms und andere Spam-Techniken

Im Zeitraum von Februar 2003 bis Oktober 2005 nahm die Reihe der großen Google Updates ihren Lauf. Die Suchmaschine begann mit Maßnahmen gegen die unsachgemäße Verwendung von Links und Spam-Techniken. Dies galt vor allem der Bekämpfung von „Linkfarms“. Als solche werden Webseiten zur Suchmaschinenoptimierung bzw. -manipulation bezeichnet, die durch eine hohe Anzahl von Verlinkungen auf eine Webseite deren Traffic erhöhen sollen.

Gefolgt wurde dieses Update von „Universal Search“. Im Zuge dieser Neuerungen wurde die Relevanz von Bildern, Videos und Inhalten mit lokalem Bezug im Ergebnisranking erhöht.

Im Februar 2009 wurde die umstrittene „Vince“-Aktualisierung eingeführt, die bei den Nutzern bekannte Marken favorisierte. Diese Marken werden seitdem im Ranking bevorzugt angezeigt, unabhängig von Struktur und Inhalt der Webseite.

Gleich zwei gravierende Änderungen ereigneten sich 2010

Das erste Update wurde im Mai 2010 ausgerollt und „May Day“ getauft, nachdem viele Betreiber immense Einbrüche ihrer Traffic-Zahlen beobachteten. Betroffen sind Suchanfragen, die mehrere Worte beinhalten. So werden nun Ergebnisse höher gerankt, die konkrete Anleitungen oder Diskussionen zu den Suchworten enthalten.

Mit „Caffeine“ optimierte Google im Juni 2010 die technische Grundlage des Suchindexes selbst. Relevante Inhalte können nun zeitnaher nach Erscheinungsdatum gefunden werden und die Suchergebnisse sind präziser als zuvor.

Das Update „Panda“ verursachte bisher die stärksten Einbußen

Top-10-Best-Tips-on-How-to-Survive-Googles-Panda-Algorithm-UpdatePicture: Techchunks

Die neue technische Aufstellung des Algorithmus lieferte die Grundlage für das 2011 eingeführte Update „Panda“, welches rund 12% aller Suchergebnisse betraf. Webseiten und Inhalte von geringer Qualität können durch diese Aktualisierung effizienter gefiltert und im Ranking herabgestuft werden. Dies schlug hohe Wellen in der SEO-Branche und traf viele Webseitenbetreiber unerwartet.

Dabei verlor ebay.de etwas mehr als 30 % an Sichtbarkeit.

Sichtbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang die Besucheranzahl einer Webseite, die durch Google-Anzeigen generiert werden.

Auch die Springer-Tochter Idealo.de musste ca. 29 % Sichtbarkeitseinbußen verschmerzen.

Hart getroffen wurden vor allem auch Portale, die Inhalte anderer Anbieter bewerten oder kommentieren. Dazu gehören Webseiten für Preisvergleiche, Linksammlungen zu Gutscheinen sowie Frage und Antwort-Portale.

Bis zu 50% Traffic-Verluste waren keine Seltenheit.
Viele bekannte Anbieter mussten schwerwiegende Verluste hinnehmen:

  • ciao.de: -58%,
  • gutefrage.net: -57%,
  • shopping.com: -57% ,
  • wer-weiss-was.de: -62%,
  • preisroboter.de_ -54%,
  • geizkragen.de: -59%

Beginn der Sinnsuche – mit dem Update Kolibri kommt die semantische Auswertung

„The name comes from being precise and fast.“

Amit Singhal
Google VP Software Engineer

Das Update Kolibri, welches im August 2013 umgesetzt wurde, war ebenfalls ein Meilenstein, diesmal im Sinne der Nutzer: Die gesamte Suchanfrage sowie die semantischen Beziehungen von Wortgruppen innerhalb dieser können nun zielgerichteter identifiziert und interpretiert werden. Google versteht den Sinn der Suche besser und ist nicht mehr von einzelnen Keywords abhängig. Beim Ranking in der semantischen Suche kommen Faktoren wie Sinngehalt, Kontext, Assoziation, Identität, Intention und Beziehungen zum Tragen.
Der Algorithmus ist seitdem in der Lage die Inhalte einer Webseite besser zu analysieren und den Suchanfragen entsprechend zuzuordnen.

Hiermit wurde erstmals auf Mobilnutzer eingegangen, indem Spracheingaben nun besser interpretiert und umgesetzt werden können. Denn bei der sogenannten Conversational Search wird in den meisten Fällen ein kompletter Satz eingesprochen, auf den – Dank des Updates – besser eingegangen werden kann.

Googles „mobile friendly“-Update hat stärkere Auswirkungen als Panda oder Penguin

Im April steht das neueste Algorithmus Update „mobile friendly“ an und wird das Ranking von Webseiten bei der mobilen Internetnutzung erheblich beeinflussen. Google selbst bezeichnet den Einfluss des neuen Algorithmus als ähnlich gravierend wie Panda oder Penguin.

Die Faktoren, die das Ranking der Suchergebnisse bestimmen, werden sich ab dem
21. April 2015 auch danach richten, ob Webseiten für mobile Geräte verfügbar sind oder nicht. Falls ja, spielt die Qualität der mobilen Darstellung eine Rolle.

Dabei wird das Label „für Mobilgeräte“ eingeführt. Dies soll den Smartphone-Nutzer auf mobil optimierte Seiten hinweisen und ihn dorthin führen.

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Experten vermuten, dass dieses Label abgelöst wird von dem Hinweis „slow“ für mobile Webseiten, die zu lange laden. Neben den eher an der responsiven Darstellung orientierten Kriterien von „mobile friendly“, wird die Performance in Zukunft also eine stärkere Rolle spielen.

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Googles Test Tools

Google hat zur Vorbereitung auf die neuen Kriterien eigens ein Webmastertool zur Verfügung gestellt, mit dem überprüft werden kann, ob eine Webseite mobil optimiert ist oder nicht:
https://www.google.de/webmasters/tools/mobile-friendly/
Die Performance kann mit dem PageSpeed-Test gemessen werden: https://developers.google.com/speed/pagespeed/insights/

Fazit

Nachdem bisherige Updates vorrangig der Qualität der Suchergebnisse galten, zieht Google nun erstmals erhebliche Konsequenzen aus der Entwicklung des Nutzerverhaltens.

So reagiert Google auf die rasante Entwicklung der Mobile-Nutzung und des wachsenden E-Commerce weltweit. 2014 lag der Anteil der mobilen Nutzer im E-Commerce erstmals dauerhaft über 50%. Jährlich steigt die mobile Nutzungsrate um mehr als 20 %.

Jeder zweite Smartphone-Nutzer recherchiert oder kauft mobil und bereits 53% aller Smartphone-Besitzer haben generell schon einmal auf dem Smartphone Produkte recherchiert oder gekauft. Allein im deutschen mCommerce wurden im Jahr 2014 6,6 Milliarden Euro umgesetzt.

Logisch also, dass auch Google den mobilen Trend nicht ignorieren kann.

Was also müssen Webseitenbetreiber jetzt wissen und technisch umsetzen?