SEO-Mythos TTFB: Ist Page Speed ein SEO-Rankingfaktor?

Einer Studie zufolge ist der “Time to First Byte”, ein Messwert für den Page Speed, ein SEO-Rankingfaktor. Wie der Messwert zustande kommt, wie sich Google dazu äußert und wie man Page Speed alternativ messen kann, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Page Speed, Messwerte und Google

Seit 2010 ist bekannt, dass Google den Page Speed als Signal für das Ranking einer Website verwendet. Im letzten Jahr wurde diese Maßnahme auch auf die mobile Suche ausgedehnt. In beiden Fällen betonte Google zwar, dass andere Faktoren entscheidender für das Ranking seien. Doch fragen sich SEOs seitdem, welche Richtwerte des Page Speed für den Algorithmus ausschlaggebend sind, um gezielt Websites optimieren zu können.

Dabei ist zunächst einmal wichtig, dass es nicht einen einzigen Wert gibt, mit dem man Page Speed messen kann. Vor dem Zeitpunkt, an dem eine Website komplett gerendert und bereit zur Nutzereingabe ist, dem sog. “Time to Interactive” gibt es weitere Mess-Stationen, die sich vergleichend auswerten lassen. PageSpeed Insights, der Page Speed Test von Google, bietet nach dem letzten Update im November 2018 gleich fünf vergleichbare Messwerte für die Ladegeschwindigkeit einer Website. Ob diese Messwerte jedoch SEO-Rankingfaktoren sind, lässt sich nicht einsehen.

Interessanterweise führt PageSpeed Insights einen bestimmten Messwert nicht auf, der traditionell in vielen Page Speed Tests eine prominente Rolle spielt: Der “Time to First Byte” (TTFB). Gerade dieser Messwert wurde jedoch im Rahmen einer groß angelegten Studie durch das SEO-Unternehmen moz.com als SEO-Rankingfaktor identifiziert. Verschleiert Google hier einen wichtigen Baustein seines Algorithmus?

moz.com: guter TTFB = gutes Ranking

Die SEO-Experten von moz.com machten sich in einer groß angelegten Studie auf die Suche nach möglichen Kriterien, nach denen Page Speed relevant für das Ranking auf Google wäre. Dazu setzten sie mehrere Instanzen des Page Speed Tests “WebPageTest” auf verschiedenen Servern verteilt über die USA auf. Diese ließen sie automatisiert Websites aufrufen und analysieren, die für eine Liste aus zufällig ermittelten Keywords hoch gerankt waren.

Das Ergebnis war insofern ernüchternd, als es keine konkreten Rückschlüsse für einen Zusammenhang zwischen der Ladegeschwindigkeit einer Website und seines Google-Rankings zuließ. Dies galt allerdings für den Vergleich mit dem “Time to Interactive”. Für einen anderen Messwert konnte moz.com eine deutliche Korrelation zwischen Ranking und Messwert feststellen: Je besser eine Website gerankt war, desto niedriger war ihr durchschnittlicher “Time to First Byte”.

Abbildung 1: Ladegeschwindigkeit von Websites im Vergleich zu ihrem Ranking.

Abbildung 2: TTFB von Websites im Vergleich zu ihrem Ranking

Die Macher der Studie schienen damit einen wertvollen Einblick in den Google-Algorithmus gewonnen zu haben. Offenbar, so schlussfolgerten sie, nutzte Google den schnell erfassbaren Wert des “Time to First Byte”, um die Qualität einer Website einstufen zu können. Zwar gaben sie dabei an, dass die Korrelation nicht zwangsläufig auch gegenseitige Bedingung sein müsse. In diesem und folgenden Blog-Beiträgen zum Thema behandelten sie den Einfluss des TTFB auf das Ranking bei Google aber als Fakt.

Exkurs: Was ist der “Time to First Byte” (TTFB)?

Der “Time to First Byte” ist einer der frühesten Werte, die sich auf der Etappe zur fertig geladenen Website messen lassen können. Er beschreibt den Zeitpunkt, an dem die Anfrage einer Website aus dem Browser mit dem ersten Byte der empfangenen Daten vom Webserver beantwortet wird. In diesem Zeitraum finden folgende Prozesse statt:

  1. Ermittlung der IP-Adresse des Webservers durch Auflösung der Domain (Ping)
  2. Bei HTTPS: Herstellung der verschlüsselten Verbindung (SSL-Handshake)
  3. Verarbeitung der Anfrage durch den Webserver
  4. Versand des ersten Datenpakets über das TCP-Protokoll

Dies geschieht in der Regel in weniger als einer Sekunde. Gute TTFB-Werte liegen zwischen 0,3 und 0,5 Sekunden. Sollte der TTFB signifikant höher ausfallen, kann dies Ursachen bei der Kommunikation mit dem Webserver und der Verarbeitung der Anfrage durch diesen haben:

  • Hohe Latenzen zwischen den Aufrufen der DNS-Server
  • Hohe Belastung des Webservers
  • Probleme in der Infrastruktur des Webservers (Flaschenhälse)

Hohe Latenzen können durch die Distanz zwischen dem Standort des Nutzers und der DNS-Server zur Auflösung des Domain-Namens, bzw. dem Webserver entstehen. Wer hier dauerhaft schlechte Werte erhält, sollte ggf. andere DNS-Server verwenden oder gar über die Verwendung eines Content Delivery Networks (CDN) nachdenken. Mehr zum “Time to First Byte” und dessen Problembehebung in unserem Blog-Artikel.

Was sagt Google?

Google lässt sich bekanntlich nicht in die Karten schauen. Wie die Algorithmen hinter der Suchmaschine konkret Einfluss auf das Ranking von Webseiten nehmen, hält der kalifornische Tech-Gigant geheim. Hin und wieder jedoch gibt Google kleine Einblicke in seine Vorgehensweisen. Einer der einflussreichsten und kompetentesten Ansprechpartner für Website-Betreiber ist dabei John Mueller.

Angesprochen auf den TTFB als möglichen SEO-Rankingfaktor antwortete Mueller auf Twitter: “Ich würde eine Website eher als Ganzes betrachten (bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie bereit zur Eingabe ist) und mir ansehen, welche Low-Hanging-Fruits es gibt” (Übers. aus dem Englischen). Außerdem verlinkte er auf einen Artikel des CDN-Anbieters Cloudflare, der auch aktuell immer noch kommentiert wird. In diesem Artikel argumentiert Cloudflare gegen den “Time to First Byte” als bestimmende Kennzahl für die Messung des Page Speed, da er in Bezug auf die Gesamtladezeit irreführend sein könnte.

Woran aber soll man sich als Website-Betreiber orientieren? Muellers Hinweis, die Website “als Ganzes [zu] betrachten” gibt einen Teil der Antwort. PageSpeed Insights, dessen Labdaten nun auf der Chrome-Extension Lighthouse basieren, gibt eine Reihe von Vorschlägen, wie der Page Speed der Website optimiert werden kann. Dies wird nicht an einen einzigen Messwert geknüpft, sondern an mehrere. Und hier vervollständigt sich das Bild: Google möchte seine Suchmaschine an Nutzern und deren Erwartungen und Verhalten orientieren. Statt dem TTFB setzt PageSpeed Insights daher auf Messwerte, die in direktem Bezug zur Nutzererfahrung stehen: Der “First Contentful Paint”, der “First Meaningful Paint” und der bereits angesprochene “Time to Interactive” beispielsweise.

Abbildung 3: Labdaten von PageSpeed Insights

Exkurs: Was ist der “First Meaningful Paint” (FMP)?

Der “First Meaningful Paint” beschreibt den Moment, an dem die wesentlichen inhaltlichen Elemente der Website geladen und auf dem Viewport dargestellt sind. Obwohl die Website zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Eingabe bereit ist und auch die Elemente außerhalb des Viewports noch nicht geladen sind, erhält der Nutzer die Möglichkeit, Inhalte wie Text und Bilder aufzunehmen. Dadurch empfindet er die verbleibende Ladezeit nicht mehr als Wartezeit und bekommt den Eindruck, dass die Website bereits fertig geladen ist. Zwischen dem TTFB und dem FMP geschieht folgendes:

  1. HTML, CSS und JavaScript werden vom Webserver geladen
  2. Bilder und andere Dateien, die über die Website eingebunden werden, werden geladen
  3. Die Elemente des “Top Folds” werden platziert

Ein guter Wert für den “First Meaningful Paint” liegt zwischen einer und zwei Sekunden. Liegt der Wert deutlich höher, kann dies mehrere Ursachen haben. Einige der Blocker, die beim TTFB beschrieben wurden, können sich auch hier bemerkbar machen, daher bleibt der “Time to First Byte” eine wichtige Kennzahl zur Ermittlung von Problemen und Flaschenhälsen. Hier einige weitere Beispiele:

  • Große Mengen an Dateien zur Übertragung
  • Hoch aufgelöste und unkomprimierte Bilder
  • Eingebundene Dateien von anderen, langsamen Webservern

Um den FMP zu optimieren, sind schnelle und persistente Verbindungen mit dem Webserver Pflicht. Hierzu sollte das Protokoll HTTP/2 aktiviert werden, dass ein SSL-Zertifikat voraussetzt. Alle Dateien, Skripte und Bilder, sollten komprimiert werden und auf dem Webserver verfügbar sein. Gerade für Websites mit vielen Bildern wie Onlineshops ist gute Bild-Kompression unerlässlich, da hier das meiste Einsparungspotential gegeben ist. Hier ist es wichtig, einen guten Kompromiss zwischen Kompression und optischer Qualität zu finden.

Fazit: Optimierung für Nutzer ist Optimierung für Google

Das Ergebnis der Studie von moz.com bleibt ein Unikum. Bis heute gibt es keine vergleichbare Studie mit ähnlichem Aufwand, die die Resultate bestätigen oder widerlegen könnte. Fest steht, dass moz.com eine Korrelation zwischen dem TTFB von Websites und deren Google-Ranking feststellen konnte. Daraus lässt sich jedoch nicht einwandfrei schließen, ob Google den TTFB tatsächlich in seinen Algorithmen für das Ranking zugrunde legt. Wahrscheinlicher ist, dass im Ranking erfolgreiche Websites auch über eine gute Netzanbindung und Server-Hardware verfügen und somit zu einem guten “Time to First Byte” gelangen.

Wie die neuere Entwicklung von PageSpeed Insights und die Aussagen hochrangiger Mitarbeiter zeigen, sieht Google den Page Speed als Teil der Nutzererfahrung und orientiert sich daran, wie der Nutzer die Website und ihre Ladegeschwindigkeit wahrnimmt. Aus einem SEO-Gedanken heraus sollte man also die gesamte Ladezeit der Website im Blick behalten und einzelne Messwerte als Anhaltspunkte für mögliche Probleme und Optimierungspotentiale im Auge behalten. Der TTFB ist also ein nützlicher Hinweisgeber, aber nicht das Alleinstellungsmerkmal für den Ranking-Erfolg einer Website hinsichtlich des Page Speed.

Mit wao.io, dem Cloud-Service für automatisierte Website-Optimierung, kann der Page Speed einer Website in wenigen Minuten beschleunigt werden. Dazu ist keine Änderung am Code der Website oder am Entwicklungsprozess nötig. Zum Service-Umfang von wao.io gehören eine vollautomatische Bild-Komprimierung, die für Produktbilder optimiert ist, sowie ein kostenloses SSL-Zertifikat und optionale Umstellung auf HTTP/2.

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